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25. Februar 2013

Facebook-Seite für Künstler: Unverschämt

 Von Birgit Walter

Künstler beschweren sich nicht. Künstler sind flexibel, spielwütig, optimistisch und hatten eine tolle Spielzeit. Kündigungen, Honorarfeilschen, Absagen, vergebliches Vorsprechen gehören eben dazu.

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Künstler sind immer in Erwartung des nächsten Jobs. Oder klagt jemand, dass für einen Affen pro Drehtag 1 000 bis 1 500 Euro eingeplant werden, für einen ausgebildeten Darsteller 350 Euro? Nein. Die Menschen, die ihr Geld auf Bühnen und vor Kameras verdienen wollen, meckern nicht.

Aber jetzt: Im Netz gibt es eine Seite mit dem Titel „Unverschämt“ (www.facebook.com/Kuenstlergagen), in der Künstler aus ihrem Leben plaudern. Letzte Woche erst gestartet, hatte die Plattform nach drei Tagen 1 762 Likes, jeder Eintrag ein Erlebnis. Tänzer, die für viel Geld zum Vortanzen reisen, aber weder Choreograf noch Regisseur haben Zeit zuzuschauen. Klavierbegleiter bei Auditions, die die Songs des Stücks nicht kennen. Schauspieler, die während der Proben zum Hartz-IV-Schalter im Arbeitsamt geschickt werden, weil es Geld nur für Vorstellungen gibt. Immerhin!, sagt der Freiberufler. Ist auch nicht mehr selbstverständlich. Der Veranstalter einer Feier bietet Künstlern die Teilnahme am anschließenden Sektempfang als Gage. Der Ausrichter eines Stadtfestes verlangt Musiker pro bono – sie könnten schließlich den Auftritt als kostenlose Eigenwerbung betrachten.

Ein Eintrag geht so: „Sechs Musiker sollen zu einer Hochzeit spielen. 2 000 Euro? Wahnsinn!, sagt der Auftraggeber, so viel für Musik? Der Musiker erwidert: Ruf sechs Installateure an, sie sollen Sonnabend Nacht acht Stunden in deinem Haus arbeiten kommen. Was sie auch verlangen – wir spielen für die Hälfte.“ Das ist der Punkt. Die Vermutung, Künstler haben Spaß bei der Arbeit. Muss man dafür Geld zahlen? Dass die Spaß-Ausbildung fünf Mal so lange dauert wie die Klempnerlehre – geschenkt. Die Guten handeln schließlich Spitzengagen aus.

An subventionierten Opern liegen sie bei 15 000 Euro pro Abend. Weil große Stars für so kleines Geld nicht kommen, lassen sich die Opernhäuser Extra-Vergütungen einfallen. Berliner Opern leisten sich Stars auch, indem sie den Billiglohnsektor befeuern. Praktikanten arbeiten umsonst, Kleindarsteller bekommen 18 Euro für drei Stunden Probe. Sie nennen es einfach nicht Gage, sondern Aufwandsentschädigung, und die Arbeit heißt Hobby. Im Spaßbad wird Eintritt verlangt, und hier gibt’s noch Geld für den Spaß.

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