Mit dieser Kompetenzüberschreitung berührt der Polizist freilich auch die Grenze zum Polizeistaat. Wie so oft im rumänischen Kino bündeln sich lebendige Wirklichkeitseindrücke zu einem argumentativen Crescendo: Nirgendwo sonst entstehen derzeit Filme, die in ähnlicher Weise zum Nachdenken anregen.
Wieder einmal feierte Cannes die ganze Vielfalt der filmischen Formen. Von einem digital simulierten Drogenrausch, den der Franzose Gaspar Noé zu einer zweieinhalbstündigen Simulation einer Todeserfahrung entwickelt - und durch erbärmliche Dialoge dann doch unerträglich macht ("Enter the Void") - bis zum Ein-Personen-Kino von Alain Cavalier. Allein mit seiner Amateur-Videokamera sammelt der französische Regieveteran in "Irène" Erinnerungen an die vor Jahrzehnten verstorbene Liebe seines Lebens.
Seine Kommentare spricht er dabei direkt in das scheppernde Kameramikrofon. In technischer Hinsicht kann man ihn nicht unterbieten, an poetischem Feingefühl indes kaum übertrumpfen. Leider nur ist es inzwischen auch in Cannes so, dass man die besten Filme nicht mehr im Wettbewerb findet. Wer es also ernst meint als Festivalbesucher, hat nach zwölf Tagen als Flaneur zwischen den Sektionen an die vierzig Filme gesehen und dabei dennoch nicht alle Perlen geborgen. Aber wo sonst könnte man schon diese Beute machen?
Kritiken und Nachrichten: Theater, Musik, Literatur, Film und Fernsehen