Wattestäbchen! Jeder weiß, man darf sie sich nicht in die Ohren stecken. Aber im Ernst: Die banalsten Gegenstände sind Krimiautoren und Filmproduzenten schon immer lieb und teuer gewesen bei der Aufklärung ihrer selbst erdachten Verbrechen. Mindestens so wertvoll wie die Wundermittel der kriminologischen Hilfswissenschaften. Ein ganzes Sub-Genre von Krimis und Dokumentarformaten hat sich in den vergangenen Jahren jenen Detektiven im weißen Kittel verschrieben, deren Erkenntnisse handfestere Ermittler vom Schlage eines Schimanski kleinlaut machen.
Am 8. April wird in der ARD der WDR-Krimi "Schlaflos" Premiere feiern. Senta Berger spielt darin eine verurteilte Mörderin, die auch nach der Haftentlassung ihre Unschuld beteuert. Ihr erster Gang in Freiheit gilt dem Forensiker, dessen Gutachten sie hinter Gitter brachte. Man muss heute keinem TV-Zuschauer mehr erklären, was ein Forensiker tut. Besonders auf den privaten Kanälen wird über die Leistungen der gerichtlichen Humanwissenschaft regelmäßig berichtet. Stilbildend war die US-Serie "CSI - Crime Scene Investigation", deren achte Staffel derzeit auf RTL zu sehen ist. In einer besonders beliebten Folge hatten es die Gerichtsmediziner mit grün verfärbtem Blut zu tun: Titel: "Vulkanier in Vegas".
Fast vergessen scheint da der durch eine lange Tradition psychologischer Gerichtsfilme genährte vernünftige Zweifel gegenüber dem nicht durch Zeugenaussagen erhärteten Indizienbeweis. Stattdessen erleben wir ein Comeback des Topos vom "wissenschaftlichen Detektiv", wie ihn 1887 der Engländer Sir Arthur Conan Doyle mit seinem legendären Sherlock Holmes etablierte.
FBI-Beratung eingeschlossen
Einen ersten Höhepunkt erlebte das neue Interesse der Filmemacher an der unglamourösen Welt der Forensik 1990 im Thriller "Das Schweigen der Lämmer". Regisseur Jonathan Demme hatte sich dafür vom FBI-Spezialisten Robert K. Ressler beraten lassen, dem damaligen Leiter der Abteilung für Verhaltensforschung. Der Grund für diesen Boom mag in einem zwiespältigen Verhältnis zur Genforschung liegen, das sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten in den populären Medien verfestigt hat.
Einerseits scheuen wir gentechnisch manipuliertes Essen, doch der genetische Beweis gilt nicht nur in Fragen der Vaterschaft als unumstößlich. Die Utopie göttlicher Gewissheit scheint sich im genetischen Code zu erfüllen - in allen Todeslagen. Da Morde nach unserem Recht niemals verjähren, scheint uns die Genetik dem Menschheitstraum später Gerechtigkeit näher zu kommen denn je. Bis in die tiefste Vergangenheit könnte nun Recht gesprochen werden.
Wäre da nur nicht dieser Ärger mit den Kleinigkeiten, die man gern vergisst. Im Horror-Klassiker "Die Fliege" reichte ein winziges Insekt, um den Traum eines Forschers zunichte zu machen, sich durch den Raum zu "beamen". Und in der kriminologischen Wirklichkeit fanden sich keine Genspuren, um den mutmaßlichen Mörder O. J. Simpson zu überführen. Aber ein paar unpassende Handschuhe, um ihn freizusprechen.
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