In der Wissenschaftsgemeinde löste die F-Skala von Anfang an nicht nur positive Reaktionen aus. Insbesondere ihre methodischen Grundlagen wurden kritisiert. Es kam zu zahlreichen Weiterentwicklungen. Mittlerweile hat eine methodische Weiterentwicklung der empirischen Sozialforschung stattgefunden.
Ungeachtet dessen aber bleibt die F-Skala jedoch ein wissenschaftshistorischer Meilenstein, der ein Forschungsfeld begründet hat, an dem auch nach über 60 Jahren kein Wissenschaftler vorbei kommt, der sich mit Phänomenen des Autoritarismus und Faschismus auseinandersetzt.
Nach heutige Maßstäben der empirischen Sozialforschung ist unsere Umfrage also nicht streng wissenschaftlich. Schon gar nicht ist sie repräsentativ. Sie ist aber vergleichbar den Umfragen, wie sie heute im Internet üblich sind. Dort klicken Sie den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin oder den Kaffee oder den Liebhaber ihrer Wahl an, und kurz darauf schon können Sie sehen, was die anderen, die sich beteiligt haben, gewählt haben. Eine solche "schnelle" Öffentlichkeit streben wir ebenfalls mit unserem historischen Experiment an, in dem wir die Untersuchung der empirischen Sozialforschung der 1950er Jahre noch einmal für Sie nachstellen. Es ist ein Spiel, aber eines, das wir und hoffentlich auch Sie ernst nehmen.
Es geht doch, wenn schon nicht um die wissenschaftlich abgesicherte Wahrheit, so aber doch um einen Eindruck. Nicht nur davon wie Sozialwissenschaften einmal funktionierten, sondern doch auch davon wie wir heute es tun. Wer den Fragebogen beantwortet, wird - allein schon, weil er bei der einen oder anderen Frage ins Grübeln kommt - sich danach ein klitzeklein wenig besser kennen und sei es, weil er merkt, wo er lieber ein wenig an der Wahrheit vorbei ausfüllt, um vor sich selbst nicht gar zu schrecklich auszusehen.
Die Wissenschaftler, die den Fragebogen hier vorlegen, werden damit nicht einverstanden sein, aber so werden seine Benutzer verfahren: Die Schüchternen werden den Fragebogen nur als Mittel der Selbstaufklärung verwenden. Andere werden ihn als eine neues Stück Abendunterhaltung einsetzen. Neben "Monopoly". Wer vor gar nichts zurückschreckt, wird den Fragebogen womöglich erst einmal dem neuen Freund, der neuen Freundin vorlegen. Den Einsatzmöglichkeiten des Fragebogens sind keine Grenzen gesetzt. Vorausgesetzt, man macht aus einem Instrument, das zur Bekämpfung von Vorurteilen entwickelt wurde, keines um die eigenen zu bestätigen. Denn: So ernst die Sache ist- wissenschaftlich ist heute etwas anderes.
FR-online.de zeigt heute den Originalfragebogen mit minimalen sprachlichen Änderungen dennoch erneut und bittet Sie, liebe User, Auskunft über Ihre Persönlichkeitsstrukturen zu geben - selbstverständlich völlig anonym. In den nächsten Wochen können Sie dann die Auswertung online und in der Zeitung nachlesen. Auch das ist ein Gruppenexperiment.
Kritiken und Nachrichten: Theater, Musik, Literatur, Film und Fernsehen