Er hat sich "sehr geärgert". Und irgendwann an diesem Freitagvormittag hat Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse, verstanden, dass er dem größten Debakel seiner bisher vierjährigen Amtszeit entgegentreibt. Die Ausladung der dissidenten chinesischen Autoren Dai Qing und Bei Ling von einem Symposium der Buchmesse am heutigen Samstag in Frankfurt zieht immer weitere Kreise.
Mittags weiß Boos: Dai Qing sitzt in einer Lufthansa-Linienmaschine von Peking nach Frankfurt. Sie kommt doch - auf Einladung des P.E.N.-Zentrums Deutschland, Mitveranstalter des Symposiums. Schlimmer kann die Lage für den Kulturmanager nicht werden - der Vorwurf lautet: Die Buchmesse ist vor der chinesischen Zensur eingeknickt. Und die tapfere chinesische Autorin ignoriert sogar diese Willfährigkeit.
In seinem Büro nahe der Frankfurter Konstablerwache macht Boos seinem Herzen Luft. "Es ärgert mich sehr, dass der Buchmesse vorgeworfen wird, umgefallen zu sein und nicht für Meinungsfreiheit zu kämpfen". Genau das Gegenteil sei doch der Fall: "Wir haben P.E.N. und die offizielle chinesische Seite an einen Tisch gebracht". Die Rolle der Buchmesse müsse sein: "Wir sind Plattform gegen Zensur!"
Und dann tritt Boos die Flucht nach vorne an. "Wir haben schlecht kommuniziert und einen Fehler gemacht - dafür muss sich die Buchmesse entschuldigen". Was geschehen sei, nämlich die Ausladung der Dissidentin Dai Qing - "so was darf nicht passieren".