Die Schwerkraft macht „Batman live“ zu schaffen. Im Comic und im Film ist das kein Problem: In ersterem bewegt er sich nicht, aber jeder wird sofort glauben, dass es in einer Sekunde rasant weitergeht. In zweiterem unternehmen die Animateure alles Erforderliche. Live aber wird die moralisch ambitionierte Fledermaus zwar mit einem Seil – zügig, jedoch die Sicherheit des Darstellers nicht gefährdend – heruntergelassen, dann aber steht Batman da und macht einen Ausfallschritt, hebt zornig den Arm, wedelt mit seinem Umhang.
Selbst im Comic würde er es allerdings vielleicht etwas, nun, lebhafter tun. Hier ist es ein bisschen wie bei einem darstellerisch nicht begnadeten Opernsänger, den die Regie alleine lässt – überhaupt ein interessanter Zusammenhang: Comic- und Opernhelden, die posieren, damit Zeit für Sprechblase und Arie bleibt, aber weil die Arie länger dauert, nimmt man es dem Opernhelden übler. Batman bleibt recht verschwiegen, wie es einer Comicfigur geziemt oder noch etwas mehr.
Held mit Bodenhaftung
Um ihn herum turnen indes rüstige Akrobaten und flackern prächtige Lichtspiele und an der Leinwand fliegen Comicbilder vorbei: Manchmal wird in einem gewaltigen Heft geblättert, damit die Handlung vorankommt. Oder die Standbilder gehen in flotte Trickfilme über. Dadurch entsteht eine ulkige Ungleichmäßigkeit der zeitlichen Abläufe: Batmans Feinde müssen in der direkten Konfrontation jeweils deutlich entschleunigen, um dem Faustschlag der bodenhaftenden Fledermaus nicht schon ganz versehentlich auszuweichen.
Das teils kriminelle, teils kriminalitätsbekämpfende Geschehen ist von vorne bis hinten eingehüllt in Musik vom Band, die die spektakulären Filmmusiken redlich nachempfindet. Optisch aber wird weniger Kino- als Comic-Atmosphäre in die dritte Dimension geholt. In der Riesenleinwand, von der aus die Bühne – nämlich Gotham City mit Häusern und Häuschen – tief in den Innenraum der Frankfurter Festhalle ragt, öffnet sich immer einmal wieder ein Tor und daraus rollt das Batmobil hervor. Oder ein böser Joker-Ballon fliegt herein. Oder ein Joker-Kopf mit menschlichen Wackelzähnen, Kulleraugen und menschlichem Medusenkringelhaar (effektvoll und in seiner herrlichen Sinnlosigkeit absolut Batman-gemäß). All dies geschieht immer mit einer gewissen Vorsicht: Erst wenn es zurück auf die Leinwand gefunden hat, kann das Batmobil nach seinen Möglichkeiten losrasen. Erst wenn der böse Clown seinen Kopf in die verabredete Position gebracht hat, haut Batman drauf.
Denn Batman, der weder auf die Leinwand darf noch zu den Zirkusleuten gehört, die grundsätzlich per Flickflack, auf den Händen oder am Trapez unterwegs sind, Batman also, der im Gegenteil ein besonders muskulöses Muskelmannkostüm trägt, ist tatsächlich so langsam, dass er mit den ihn erwartenden Problemen niemals fertig werden könnte. Selbst Laternen werfen sich in seinen Weg, das kann man sagen, ohne zu viel verraten zu haben.
Darum stehen ihm bald schon der berühmte Robin und die ranke Catwoman zur Seite, um es mit der gesamten Phalanx der Feinde aufzunehmen – neben Joker auch Poison Ivy, Riddler, Two-Face, der Pinguinmann, Harley Quinn, wobei Harley Quinn am ehesten Eigenleben jenseits des Kostümwettbewerbs entwickelt, schrill und auf Draht. Dass diese Figuren eine psychologisch im weitesten Sinne ausgeklügelte Seite haben können, dass sich Abgründe auftun, kann man in der Festhalle freilich nicht einmal ahnen. Muss auch nicht sein. Hier ist das mehr ein Karneval, eine Revue, eine großbebilderte Show, in der man ständig erwartet, dass gleich gesungen wird. Wird aber nicht.
Dafür gibt es übersichtliche Dialoge, so dass jedermann der Handlung folgen kann. Und wenn Batman und Robin sich in der Batcave (die so tief liegt, dass man auf dem Weg dorthin an einem Dinosaurier vorbeikommt, sonderbar!) über das Batmobil unterhalten wie Vater und Sohn über den neuen Opel, dann flimmert sogar Ironie auf.
Frankfurter Festhalle: bis 29. Januar, anschließend 1.-5. Februar Wien, 22.-26. Februar Hamburg, 7.-11. März Köln. www.batmanlive.de
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