Das für das kommende Wochenende in Frankfurt angekündigte Symposium zum Thema "China und die Welt - Wahrnehmung und Wirklichkeit" ist die einzige Veranstaltung, die die Frankfurter Buchmesse zusammen mit dem chinesischen Komitee ausrichtet.
Und weil es sich bei der GAPP um die Zensurbehörde handelt, mit der die deutschen Veranstalter sich arrangieren müssen, oder sich arrangieren zu müssen meinen - denn das ist der Knackpunkt -, ist es kaum verwunderlich, dass Konflikte zutage treten. Um nicht zu sagen: Die Gemüter sind schon jetzt reichlich erhitzt.
Die Vorgänge um die Einladung und Ausladung zweier unliebsamer chinesischer Autoren beherrschten gestern die gut besuchte Pressekonferenz im Frankfurter Literaturhaus, auf der Jürgen Boos, der Buchmesse-Direktor, Zahlen und Neuerungen zur weltgrößten Buchmesse bekannt geben wollte. Und das tat er auch: Besonders die Ausweitung des auf Papier gedruckten Buchs in die elektronischen Medien, sowie die zunehmende Konkurrenz des Worts durch das elektronische Bild, schienen dem selbstverständlich auch ökonomisch kalkulierenden Messechef gute Laune zu verursachen. Alles wird immer multimedialer, lautet das unhinterfragte Credo.
Dass mit China gerade auf diesem Gebiet ein besonders interessanter, weil besonders gigantischer und besonders technikaufgeschlossener Gast in Frankfurt anwesend sein wird, war dabei sehr wohl herauszuhören. China, das ist eben nicht nur das semikommunistische Riesenland, das seine Regimegegner einsperrt und dem wir Menschenrechte und Meinungsfreiheit vermitteln möchten, China ist eben auch ein Handelspartner.
Um so wichtiger ist es, sich über die Grenzen möglicher und nötiger politischer Kompromisse zu verständigen. Die Journalistenfragen waren kritisch und insistent, der Ton des Buchmesse-Direktors ging schon mal ins Scharfe. Die Souveränität der Gastgeber sei keineswegs durch das Einlenken der Buchmesse in jenem konkreten Fall bedroht, vielmehr betonte Boos: "Die Chinesen geben das erste Mal in ihrer Geschichte die eigene Souveränität auf, indem sie sich einem großen Programmschwerpunkt aussetzen, der nicht in ihren Hoheitsbereich fällt." Auch deshalb habe man China nach Frankfurt eingeladen: Man wolle "mit" den Chinesen sprechen, nicht "über" sie, lautete eine wiederholte Formel. Das sei, so Boos, "ein kleiner Schritt in die richtige Richtung." Im übrigen sei die Presse ja "völlig frei" in ihrer Berichterstattung.
(Siehe auch Seite 33)
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