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Quartett Zitrone und Zimt: Geordnete Freiheit

Markante Solisten: Das Quartett Zitrone und Zimt, das jetzt bei der Jazzreihe in der Konzertmuschel des Frankfurter Palmengartens gastierte, vereint einige dieser Hochkaräter.

Der Frankfurter Jazz hat auch nach seinen mythenumwobenen Nachkriegszeiten immer wieder markante Solisten hervorgebracht. Das Quartett Zitrone und Zimt, das jetzt bei der Jazzreihe in der Konzertmuschel des Frankfurter Palmengartens gastierte, vereint einige dieser Hochkaräter.

Der Umstand, dass der Schlagzeuger Willi Kappich an dem verregneten Abend das Hauptgewicht auf die Tablas legte, mag ethnomusikalische Assoziationen wecken. Aber das weist in die falsche Richtung. Kappich, der mitunter auch die Becken und die Trommeln des gebräuchlichen westlichen Schlagwerks mit den bloßen Händen spielt, nimmt, weit entfernt von der klassischen Rolle des Pulsgebers, die Position einer auf Augenhöhe befindlichen, quasi-melodischen Stimme im Solistenensemble ein.

Der Pianist Bob Degen, ein schon vor langer Zeit in den Frankfurter Jazz eingebürgerter Amerikaner, hat bei Albert Mangelsdorff, Heinz Sauer und im hr-Jazzensemble gespielt, aber auch mit US-Größen wie Art Farmer, Dexter Gordon und Lee Konitz. Er ist ein Meister der Auslassung. Bei aller Prägung durch Thelonious Monk lässt er immer wieder auch ein Bewusstsein für jenen Groove spüren, der das Jazzpiano bei Urvätern wie Fats Waller kennzeichnete, woraus eine perkussive Dimension resultiert. Die beiden Klarinettisten – der Bassetthornspieler Burkhard Kunkel und der Luxemburger Michel Pilz an der Bassklarinette – treiben ihr Unisonospiel mitunter ins Flächenhafte. Kunkel ist derjenige, der – auf eine durchaus nicht dominante Weise – mehr nach vorne weg geht, Pilz entfaltet seine Wirkung aus einer eher in sich ruhenden Haltung heraus.

Über den Zeiten

Stilistisch bewegt sich dieses grandiose Quartett in den Gewässern einer wohlgeordneten Freiheit. Die hat ihre Urgründe in jenem Zweig der Fünfziger-Jahre-Antike des Modern Jazz, der einer Abstraktion zustrebte, wie sie sich in Jimmy Giuffres wegweisendem Album ,,Tangents in Jazz“ 1955 exemplarisch manifestierte. Wenige Jahre später fand sie in Miles Davis’ ,,Kind of Blue“ in einer transformatorischen Form mit Marschrichtung Free Jazz eine weitere Wegmarke.

Idealtypisch austariert ist bei Zitrone und Zimt das Verhältnis von Einverständnis und Reibungspotenzialen. Diese Musik kann Zeitgenossenschaft in vorderster Linie für sich beanspruchen und sie ist zugleich über die Zeitläufte erhoben.

Autor:  Stefan Michalzik
Datum:  23 | 7 | 2010
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