Da war keiner, der nicht, ausgesprochen oder unausgesprochen, das Programm einer nachholenden Nationalisierung beschworen hätte. Niemand knüpfte Hoffnungen an den Regierungswechsel. Abgewunken wurde, sobald das Gespräch auf die griechische Politik kam. Desillusioniert wirkte die dreißigjährige Tänzerin, verdrossen der Regisseur, der noch in den 80ern in Ostberlin gearbeitet hatte. Wovon lebte er heute? Auch vom Zynismus. Danach gefragt, verbanden nicht nur die Theaterleute ausdrücklich mit ihren Inszenierungen ein nationales Erziehungsprogramm.
Die Macht der Mythen in Zeiten des schieren Ökonomismus. Mit Legenden und Fiktionen sollte angesichts krasser Ausbildungsmissstände und mangelnder beruflicher Perspektiven das Bewusstsein geschärft werden an kulturellen Besitzständen aus der Vergangenheit - auch aus derjenigen Vorzeit, als Europa sich zu Griechenland hingezogen fühlte, zuletzt, vor rund dreißig Jahren, unmittelbar nach dem Sturz der Junta. Es war die Zeit der politischen Legenden, und zu Griechenland gehörte auf der sozialistischen wie auf der konservativen Seite eine außergewöhnlich radikale, die Gewalt billigende oder billigend in Kauf nehmende Rhetorik.
Der in Athen lebende Krimiautor Petros Markaris hat soeben, ohne die Polizei und die Politik frei zu sprechen, von einer "Art Toleranz" gegenüber der Gewalt gesprochen. "Das hat mit dem einstigen Aufstand der Studenten des Polytechnikums gegen die Militärjunta zu tun." Offensichtlich, dass sich der anarchische Akt und politische Aberglaube nicht nur durch den Tod eines Fünfzehnjährigen ein Alibi verschafft hat, sondern auch anknüpfen kann an den politischen Mythos von Widerstand und Bürgerkrieg. Griechenlands Gewaltwille der letzten Tage hat die Regierung Karamanlis nicht nur in Bedrängnis gesehen, sondern das Gewaltmonopol des Staates außer Kraft gesetzt. Wenn Griechenland jetzt obendrein den Generalstreik probt, dann mobilisieren Teile seiner Staatsangehörigen, Gewerkschaften, die kommunistische Partei KKE und die radikale Linke Partei, für einen weiteren politischen Mythos.
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