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13. März 2009

Hanne Darboven gestorben: Vom Einfangen der Zeit

 Von SANDRA DANICKE
Hanne Darboven starb im Alter von 67 Jahren (Archivfoto vom 19.04.1994). Foto: Foto: dpa

Der 1941 geborenen Darboven ging es um Zeit. Ihre Aufzeichnung von Zeit basierte auf einem selbst entwickelten System. "Mein Geheimnis ist, dass ich keins habe", behauptete sie einmal. Von Sandra Danicke

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Die Arbeiten von Hanne Darboven sind für den Betrachter stets eine Zumutung. In der Regel handelt es sich um eine unübersichtlich große Anzahl gerahmter, neben- und übereinander gehängter Blätter, voll beschrieben mit winzigen Bleistift- oder Schreibmaschinennotaten, deren schiere Menge den Betrachter von vornherein überfordert. Eines jedoch bemerkt man auf Anhieb: Es muss endlos gedauert haben, diese filigranen Beschriftungen auf Tausenden von Blättern gleichsam meditativ durchzuexerzieren; es würde ebenso so endlos dauern, sie Zeichen für Zeichen "nachzulesen".

Darum jedoch war es Hanne Darboven nicht zu tun. "Ich schreibe, aber ich beschreibe nichts", erklärte sie mal, ihr Werk erschließt sich eher über die Struktur, die Visualisierung geballter Dauer und Vergangenheit.

Hanne Darboven, 1941 in München geboren, ging es um Zeit. Die Aufzeichnung von Zeit basierte bei der Künstlerin, die in Hamburg gelebt hat, seit den späten sechziger Jahren auf einem selbst entwickelten System, das sie ständig verfeinerte. Hierzu verwendete sie verschiedene Schreibarten, mal Ziffern, mal Wörter.

Noch während ihres Studiums an der Hamburger Hochschule für bildende Künste ging Darboven, die einer namhaften Hamburger Kaufmannsfamilie enstammte, 1966 für zwei Jahre nach New York und entwickelt im Umfeld von Concept- und Minimal-Art ihre komplexen Systeme einfacher Zahlenabläufe. Seit 1968 bildete die Quersumme des jeweiligen Tagesdatums die Grundlage ihrer Arbeiten, die sie bisweilen mit Auszügen aus dem Brockhaus ergänzte. Die internationale Anerkennung kam früh. Bereits 1970 waren ihre Arbeiten im Museum of Modern Art in New York zu sehen, ein Jahr später im Guggenheim-Museum, 1972 war Hanne Darboven zum ersten Mal auf der Documenta, 1982 vertrat sie Deutschland auf der Biennale in Venedig.

"Mein Geheimnis ist, dass ich keins habe", behauptete die Künstlerin, die ganze Werkgruppen Persönlichkeiten wie Picasso, Bach, Goethe, Rosa Luxemburg oder Friedrich dem Großen widmete. "Ein Jahrhundert - Johann Wolfgang von Goethe gewidmet, 1971-1982" etwa ist die rein rechnerische Visualisierung eines Jahrhunderts vom Jahre 00 bis ins Jahr 99. 1980 begann Darboven, die Klavier spielen konnte, ihre Zahlensysteme nach einem einfachen Prinzip in Notenfolgen umzusetzen, die sie von einem Musiker für verschiedene Instrumente zu einer "mathematischen Musik" arrangieren ließ.

Jetzt ist Hanne Darboven im Alter von 67 Jahren an Lymphdrüsenkrebs gestorben.

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