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Hauptquartier für den Hearst-Konzern: Der Stand der Dinge

Norm und US-Doktrin

Maßgeblich in Wagenburgen wird das Weltgeschehen auch im Hearst-Tower verarbeitet. Hier ist die amerikanische Büroraumbeschaffenheit nicht grundsätzlich anders, verbessert schon. Wenn die urdeutsche Arbeitsplatznorm das letzte wäre, wovon sich der Brite Foster dürfte leiten lassen, so sind es doch Licht und Abstand, auf die der Architekt (namentlich Michael Wurzel, sein deutscher Bürochef) bei seinem ersten Auftrag in New York gesetzt hat. Mit Hilfe lichtdurchlässiger Büros entlang der Glasfassaden ist die US-Doktrin, innenliegende Büros ohne Tageslicht, hier für ungültig erklärt worden.

Überhaupt hält der Hearst-Tower einige Attraktionen bereit, in den oberen Etagen zählt dazu ein außerordentlicher Ausblick in alle vier Himmelsrichtungen. Wer das Privileg hat, hier einen Arbeitsplatz zu besitzen, nähert sich seinen individuell eingerichteten Büros über waldbodenweiche Teppiche, durch einen Saum aus tiefdunklen Holzwänden (denn gründet Manhattan nicht auf uralten Indianerpfaden?). In der Tat ist der Hearst-Tower eine ganz besondere Umgebung für den Menschen, und wie die Dinge hier für den Teilzeit- oder Fulltime-Nutzer stehen, gibt es kein Entrinnen aus einer gesteigerten Aufmerksamkeit, das liegt nun mal in der Natur einer derart hybrid gestalteten Lebenswelt. Für den Hearst-Tower, und das macht ihn zu einem Prototyp, spricht, dass er einen hochgradig künstlich geformten Lebensraum freundlicher gestaltet. Manches, das daher ins Auge fällt: das monumentale Fresco von Richard Long, das Joseph Urban Theater, beides anzutreffen bereits in der Plaza. Sie ist schon deswegen eine Besonderheit, weil, links und rechts der beiden Rolltreppen, ein artifizieller Katarakt über drei Stockwerke zivil hinabrinnt (und nicht etwa urwüchsig-dramatisch stürzt).

Hier, wo Foster das ursprüngliche Gebäude entkernt hat, wo er die historische Art-Deco-Fassade wie einen preziösen Passepartout nutzt, um darin die gewaltigen Stützen seiner Hochhauskonstruktion zu inszenieren - hier ist es ein Detail, das gar in die Nase sticht. Es ist ein tatsächlich natürlich wirkendes Klima in einem hochgradig hermetischen Lebensraum. Wie die Dingwelt das hinter den Kulissen herstellt, dachten wir glatt an das Wort: Atmosphäre.

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Autor:  CHRISTIAN THOMAS
Datum:  15 | 11 | 2008
Seiten:  1 2
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