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Hausarrest: Szenenwechsel im Polanski-Drama

Roman Polanski unter Hausarrest: Sein Zwangsaufenthalt in den eigenen vier Wänden dauert so lange, bis die Schweiz über den Auslieferungsantrag der USA entscheidet. Von Jan Dirk Herbermann

Von Medienvertretern  belagert: Roman Polanskis Chalet in Gstaad.
Von Medienvertretern belagert: Roman Polanskis Chalet in Gstaad.
Foto: rtr

Das filmreife Drama um den Starregisseur Roman Polanski spielt an einem neuen Aufführungsort: Am Freitag überführten Schweizer Justizkräfte den 76-jährigen Filmemacher ("Der Pianist") aus einem Gefängnis in sein Luxus-Chalet in Gstaad. Um 13 Uhr bahnten sich zwei schwarze Limousinen mit getönten Scheiben den engen Weg zu dem Chalet im Berner Oberland - in einem Wagen saß der mutmaßliche Sexualstraftäter Polanski.

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sicherten Polizei und private Security die Route, Kameraleute und Fotografen verfolgten alle Bewegungen rund um das Polanski-Anwesen "Milky Way". Dann verschwanden die Karossen in der Chalet-Garage. Im holzvertäfelten Haus warteten Polanskis Frau Emmanuelle Seignier (43) und die gemeinsamen Kinder Morgane und Elvis. In "Milky Way" steht er jetzt unter Hausarrest. "Es ist alles bereit dafür", erklärte der Sprecher des Bundesamtes für Justiz, Falco Galli.

Arrest auf unbestimmte Zeit

Polanskis Zwangsaufenthalt in den eigenen vier Wänden zieht sich mindestens solange hin, bis die Schweiz über einen Auslieferungsantrag der USA entscheidet. Seine Ausweispapiere liegen bei der Polizei, seine Freiheit ist stark eingeschränkt: Der französisch-polnische Doppelbürger darf sich auf seinem Grundstück nur bis zur Abgrenzung bewegen. Einkaufsbummel, Ski fahren auf den verschneiten Hängen oder gar ein Abtauchen in das Nachtleben des Nobelortes sind dem unter Arrest Stehenden verwehrt.

Um Polanskis Aktionsradius genau zu kontrollieren, legten ihm die Schweizer eine elektronische Fußfessel an. Sobald der Festgehaltene gegen die Auflagen verstößt, löst das Band Alarm aus, Polizei und Justizbeamte können dann einschreiten. Der Regisseur darf an seinen Filmprojekten feilen. "Hausarrest mit Fußfessel wird ermöglicht für Leute, die eine Stelle und ein soziales Umfeld haben", erklärte Dominik Lehner von der Basler Justizverwaltung.

Medienvertreter belagerten seit Tagen das Nobelstädtchen im Berner Oberland; der Rummel ging vielen Bewohnern auf die Nerven. "Die Leute ärgern sich, dass gewisse Journalisten plump auf sie losgehen und ausfragen", berichtet die Lokalreporterin Ruth Oehrli. "Die Leute wollen wieder ihre Ruhe haben." Doch damit dürfte es vorläufig vorbei sein. Polanski-Fotos oder Polanski-Interviews sind heiß begehrt.

Am Donnerstag hatte die Justiz den Häftling Polanski nach 70 Tagen aus seiner Zelle im Bezirksgefängnis Winterthur entlassen - vorher hatte der Künstler der Zahlung einer Kaution von rund drei Millionen Euro zugestimmt.

In den USA droht Polanski eine Verurteilung: In Kalifornien missbrauchte er 1977 ein 13-jähriges Mädchen. Polanski gab die Tat zwar zu, setzte sich aber 1978 aus den USA ab. Seitdem lebte das Leinwand-Genie unbehelligt in Frankreich. Im vergangenen September aber klickten auf dem Zürcher Flughafen die Handschellen. Nach vorheriger Absprache mit den US-Behörden nahmen Schweizer Justizagenten Polanski in Gewahrsam. Er wollte in Zürich einen Preis für sein Lebenswerk entgegennehmen.

Autor:  Jan Dirk Herbermann
Datum:  5 | 12 | 2009
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