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28. September 2015

Hebräisch: Nach Israel ausgewanderte Wörter

 Von 
Pudel: Auch ein deutsches Wort, das sich im Hebräischen eingebürgert hat.  Foto: rtr

Viele deutsche Begriffe haben sich mittlerweile im Hebräischen eingebürgert. Jetzt hat der Übersetzer Uriel Adiv die "eingewanderten" Wörter online in einer Datenbank gesammelt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

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Dreck, Feinschmecker, Luftgeschäft, Pudel. Alles schöne deutsche Wörter, oder? Nicht nur! Sie haben sich auch im Hebräischen eingebürgert, bisweilen als Fremdwort, noch öfters im umgangssprachlichen Slang. Wenn etwa Israelis jemanden einen „Drek“ nennen, meinen sie, er sei ein nicht ganz sauberer, übler Typ. Ähnliches gilt für den „Pudel“, der neben der Hunderasse einen nicht ernst zu nehmenden Menschen bezeichnet. Der „Fainschmeker“ (Hohnbegriff für eine hochnäsige Person) oder das „Luftgescheft“ (eine zweifelhafte Arbeit ohne reelle Basis) wiederum haben über das Jiddische den Einzug ins Ivrit, das moderne Hebräisch, geschafft. Und das ist nur eine kleine Auslese aus einem Lehnwörterbuch mit mehr als 1500 Wortartikeln, das Ende September im Internetportal des Mannheimer Instituts für Deutsche Sprache (IDS) als Online-Ausgabe freigeschaltet wird.

Gesammelt hat die aus dem Deutschen ins Hebräisch eingewanderten Wörter Uriel Adiv, Simultandolmetscher und Übersetzer aus Jerusalem. Seit mehr als acht Jahren beschäftigt sich Adiv schon damit. Er selber kommt aus einer Jecke-Familie, hat also deutsch-jüdische Vorfahren. Den Anstoß gab das Goethe-Institut in München, das in einer Ausschreibung 2006 nach ausgewanderten Wörtern suchte.

Im Internet
Veranstaltung

Das Lehnwortportal des IDS im Internet: http://lwp.ids-mannheim.de

Das Jüdische Museum in Berlin lädt für den 30. September, 19 Uhr, zu einer Veranstaltung zum Thema „Das Hebräische und seine deutschen Lehnwörter“ mit Uriel Adiv und Peter Eisenberg ein.

Erst war es für Adiv ein vergnügliches Hobby, alte Lexika zu wälzen, um deutsch klingende Vokabeln im Hebräischen aufzuspüren. Manchmal sprang er des Nachts vom Sessel auf, um ein Wort zu notieren, das er gerade im Fernsehen oder Radio gehört hatte. Manches fiel ihm auch von alleine ein, wie etwa die „Schlafstunde“, eine Art Siesta, auf deren strikte Einhaltung viele Israelis früher Wert legten. Vermutet wird, dass die in den dreißiger Jahren in das Mandatsgebiet Palästina immigrierten Jeckes (noch so ein deutsches Lehnwort) die zweistündige Nachmittagsruhe einführten, ob aus liebgewonnener Gewohnheit oder nur, um der Mittagshitze zu entgehen.

Einen Grundstock von rund vierzig Wörtern lieferten die frommen Templer, die im 19. Jahrhundert aus dem Schwäbischen ins „heilige Land“ übersiedelten und technische Erneuerungen aus Deutschland mitbrachten. Ihre Begriffe dafür übernahm alsbald das Hebräische. Genauso wie Jahrzehnte später, als jüdische Bauhaus-Architekten vor den Nazis aus Europa flohen, sich deren deutsche Fachsprache durchsetzte – teils sogar bis heute wie zum Beispiel der „Kratzputz“ in der Außenwandverarbeitung. In hebräischen Lettern werden die Wörter natürlich lautmalerisch geschrieben – also „Kratsputs“. Auch gibt es meist Ausdrücke im reinen Ivrit für die gleiche Sache. Aber noch heutzutage, berichtet Adiv, ein studierter Architekt, werden in den Bauplänen nur zögerlich hebräische Begriffe statt der deutschstämmigen Fachwörter verwendet, die den Ingenieuren geläufiger sind.

Als multikulturelles Volk haben die aus aller Welt eingewanderten Israelis selbstverständlich auch eine Menge Wörter aus anderen Sprachen wie dem Englischen und dem Russischen importiert. Aber es ist schon ein Phänomen, dass ausgerechnet das Deutsche – in Israels Gründerjahren als Sprache der Täter verpönt – im Hebräischen mehr Lehnwörter hinterlassen hat als in allen anderen Weltsprachen.

Erklären lässt sich das nicht allein mit Verweis auf über 1700 Jahre des Lebens von Juden in Deutschland. Sie sprachen wie ebenso die osteuropäischen Juden untereinander meist Jiddisch, was die Frommen in Israel noch heute tun. „Aus dem Jiddischen ist viel ins Hebräische gesickert“, sagt Adiv. Aber auch aktuell fließen – nicht zuletzt dank der Vorliebe junger Israelis für Berlin – deutsche Ausdrücke rüber ins Ivrit. „In“ sind Kunstwörter wie „to-danke“ und „bevaka-schön“: Fusionen des hebräischen „toda“ (danke) und „bevakascha“ (bitte) mit dem deutschen Äquivalent.

Jedenfalls kam Uriel Adiv irgendwann die Idee, im fünfzigsten Jahr diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland ein Lehnwörterbuch herauszugeben. Das Institut für Deutsche Sprache war dafür schnell zu gewinnen, verlangte aber umfangreiche Quellenangaben. „Ich war zunächst wie versteinert“, erzählt Adiv angesichts der Herkulesarbeit, die da auf ihn zukam. Peter Eisenberg, ehemals Sprachwissenschaftler an der Universität Potsdam, mit dem er seit Jahren in Kontakt stand, erwies sich als „Schutzengel“ (Adiv) bei den Recherchen. Mehrere Professoren vom IDS trugen ihr Expertenwissen bei. Zusammengetragen und eingeordnet wurde so ein Lehnwörterschatz deutschen Ursprungs aus 150 Jahren.

Ein nächstes Projekt ist bereits geplant: die Dokumentation der Wörterwanderung in umgekehrter Richtung, aus dem Hebräischen ins Deutsche.

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