Aktuell: Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Türkei | US-Wahl | FR-Serie: Fintechs
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Kultur
Nachrichten, Kritiken, Interviews aus Kultur, Feuilleton, Literatur, Kunst

19. Januar 2013

Helmut Schleich: Amüsement ja - aber wenig politischer Tiefgang

 Von Wolfgang Heininger
Helmut Schleich in seiner Rolle als Franz Josef Strauß. (Archivbild)  Foto: dpa

Der oberbayerische Kabarettist Helmut Schleich tritt zurzeit mit seinem Programm „Nicht mit mir“ auf. Am Samstagabend gastiert der Gewinner des Deutschen Kleinkunstpreises in der Frankfurter Käs.

Drucken per Mail

Wenn sich Helmut Schleich von seinem Alter Ego Franz Josef Strauß als „fünftklassiger Provinzhumorist“ bezeichnen lässt, dann ist das schon ein wenig hart. Gleichwohl – der gebürtige Oberbayer, der gerade den Deutschen Kleinkunstpreis einsackte, bleibt in seinem Programm „Nicht mit mir“ weit unter seinen Möglichkeiten. Dass er es eigentlich besser kann, hat er des Öfteren bewiesen.

Doch das szenische Sammelsurium, das er im Aschaffenburger Hofgarten zum eher Zweit- oder Drittbesten gab, konnte nicht recht überzeugen, war – wie die Rollen als sächsischer Eremit und schlagernder Psychotherapeut – wenig originell oder lag – wie beim Terroristenstammtisch – gefährlich nah an der Geschmacksgrenze, die auch ein Kabarettist nicht überschreiten sollte.

Nur an der Oberfläche gekratzt

Der als roter Faden gedachte stete Wechsel von Schleich zu FJS wirkte reichlich bemüht. Und die Parodien meist abgehalfterter oder bereits dahingeschiedener Personen der Zeitgeschichte als Flucht vor mehr Inhalten, die er doch anfangs so vehement gefordert hatte.

Das sei doch ein beinahe revolutionärer Vorschlag, wenn SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück angesichts seiner rhetorischen Pannenserie auf Sachthemen setze, spielte der 45-Jährige auf das sozialdemokratische Dilemma an, verzichtete aber darauf, mehr als an der Oberfläche zu kratzen.

Und auch beim Flughafenfiasko des Berliner SPD-Bürgermeisters Klaus Wowereit reichte es nur zu dem süffisanten Vorschlag, den Airport zukünftig nicht mehr Willy Brandt sondern Christian Wulff namentlich zuzuschreiben. Das waren verpasste Chancen, die dem Profi Schleich, der über fast 30 Jahre Kabaretterfahrung verfügt, eigentlich nicht passieren dürften.

Dass er es besser kann, ließ er gelegentlich aufblitzen, etwa bei seiner Zustandsbeschreibung der FDP. Wenn in der derzeitigen Führungsdebatte Rainer Brüderle als Hoffnungsträger der Klientel-Partei genannt wird, stellt der Schongauer die berechtigte Frage: „Wenn das die Hoffnung ist, wie sieht dann Verzweiflung aus?“ Die Position des Noch-Vorsitzenden Röslers ist kaum treffender zu beschreiben als mit folgendem Vergleich: Ein Mann geht mit einem Brathendl zum Tierarzt und konsultiert ihn, ob da noch was zu machen sei.

Starke Parodien

Herrlich die Spitze auf den früheren Glamour-Minister von und zu Guttenberg: „Nicht der Drucker. Ich meine den Kopierer.“ Ja, und dann natürlich seine Parodien. Den Strauß muss man Schleich nicht glauben: Schleich ist Strauß und wird ihm auch körperlich immer ähnlicher, was auch er selbst mit einigem Unbehagen konstatiert. Früher habe er die Kragenweite 44 gehabt. Nun sei er bei 48 angekommen, und auch der Hals werde wie bei seinem Vorbild immer kürzer ...

Daneben gibt Schleich einen Benedikt XVI., der zumindest am Telefon jeden deutschen Bischof täuschen könnte.

Fazit des Abends: Amüsement und Klamauk ja, viel Verzichtbares und wenig politischer Tiefgang. Mit einem bösen Wort: ganz nett. Wer übrigens schon mal da ist: Das Beste ist die Zugabe.

Helmut Schleich ist am 19. Januar um 20 Uhr in der Frankfurter Käs zu sehen, am 20. Januar in Hamburg und am 21. Januar in München. Am 23. Januar gastiert er im Pariser Hoftheater in Wiesbaden und am 17. Februar im Mainzer Unterhaus.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus
Anzeige

Anzeige

Ressort

Kritiken und Nachrichten: Theater, Musik, Literatur, Film und Fernsehen.

Sommerferien

Bücher, Musik, Filme für die Sommerferien

Und wenn ungeheuer oben eine sehr weiße Wolke ist, dann zeigt das auch nur wieder, dass Lesen in jeder Situation den Horizont erweitert.

Das FR-Feuilleton empfiehlt Bücher, transportable Musik und auch einige Filme auf DVD für den Sommer. Mehr...

Serie
Polizeiabsperrung, kaum eine Kriminalgeschichte kommt ohne sie aus.

In der Sommerpause von „Tatort“ und „Polizeiruf“ schreibt die FR-Redaktion ihre Krimis wieder selbst. Ähnlichkeiten mit Fernsehermittlern sind aber rein zufällig.

Times mager

Gemach

Bücher gibt's mehr als genug, für Schnell- wie für Langsam-Leser.

Von Schnell-Lesern und Langsam-Lesern und Dingen, die einen ganz fies zurückwerfen. Mehr...

Buchmesse 2018
Volkstänzerin bei einem Festival in Georgien.

Georgien ist Gast der Frankfurter Buchmesse 2018. Vorabbesuch in einem wenig bekannten Bücherland.

Kalenderblatt 2016: 25. September

Tag für Tag finden Sie an dieser Stelle einen Rückblick auf Ereignisse, Anekdoten, Geburts- oder Sterbetage, die mit diesem Datum verbunden sind. Foto: dpa

Das aktuelle Kalenderblatt für den 25. September 2016: Mehr...

Kalenderblatt 2016: 24. September

Tag für Tag finden Sie an dieser Stelle einen Rückblick auf Ereignisse, Anekdoten, Geburts- oder Sterbetage, die mit diesem Datum verbunden sind. Foto: dpa

Das aktuelle Kalenderblatt für den 24. September 2016: Mehr...

Kalenderblatt 2016: 23. September

Tag für Tag finden Sie an dieser Stelle einen Rückblick auf Ereignisse, Anekdoten, Geburts- oder Sterbetage, die mit diesem Datum verbunden sind. Foto: dpa

Das aktuelle Kalenderblatt für den 23. September 2016: Mehr...

Kalenderblatt 2016: 22. September

Tag für Tag finden Sie an dieser Stelle einen Rückblick auf Ereignisse, Anekdoten, Geburts- oder Sterbetage, die mit diesem Datum verbunden sind. Foto: dpa

Das aktuelle Kalenderblatt für den 22. September 2016: Mehr...

Literatur

Aktuelle Rezensionen zu Literatur, Sach- und Kinderbüchern: die Literatur-Rundschau aus dem FR-Feuilleton.

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Videonachrichten Kultur
Kolumne

Briefe des Philosophen Markus Tiedemann richten sich an Menschen extremer Glaubensüberzeugungen. Tiedemann ist Professor am Institut für vergleichende Ethik an der FU Berlin sowie Vorsitzender des Forums Fachdidaktik in der Deutschen Gesellschaft für Philosophie.

Talkshow-Kritiken auf einen Blick

Anzeige

Kulturgeschichte
Karl, der Große

Karl der Große, geboren 748, beherrschte ein Reich, das vom Atlantik bis zur Elbe reichte, von der Nordsee bis Rom. FR-Feuilleton-Chef Christian Thomas beschreibt seine Herrschaft, die Reformen, seine Rolle als Gotteskrieger, die Bedeutung für Frankfurt - und nicht zuletzt derjenigen für Europa.

Teil 1: Bedeutender Mann im Gegenlicht
Teil 2: Sagenhafte Anfänge
Teil 3: Gewalt als Gottesdienst
Teil 4: Die Geschichte mit Karl

Oper
Ganz so schick wie bei den prominenten Vertretern unserer Spezies muss es dann doch nicht immer sein.

Hustenanfälle, Papierknistern, Opernglas ja oder nein - ein kleiner Ratgeber für den gelungenen Opernbesuch.

FR-App und E-Paper

Bei uns bekommen Sie das neue iPad Air von Apple im Paket mit der preisgekrönten FR-App - einschließlich aller FR-Ausgaben im Layout der Zeitung als E-Paper.

Buchtipps