Ein führender hessischer CDU-Politiker hat den Wunsch geäußert, dass der muslimische Schriftsteller Navid Kermani entgegen der Entscheidung von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) doch den Hessischen Kulturpreis erhalten soll. Das CDU-Vorstandsmitglied Yasar Bilgin sagte der Frankfurter Rundschau: "Ich hoffe, dass Koch Kermani einlädt. Die Entscheidung für ihn war eine mutige Entscheidung der Jury. Dabei soll es bleiben."
Kermani sollte den Preis ursprünglich gemeinsam mit Kardinal Karl Lehmann, dem ehemaligen Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Peter Steinacker, und dem Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Salomon Korn, entgegennehmen. Nach Protesten der Christen Lehmann und Steinacker gegen einen Artikel Kermanis hatte Koch Kermani den Preis aberkannt. Am Montag hatte das Kuratorium unter Kochs Leitung die vier potenziellen Preisträger zum Gespräch miteinander aufgefordert und die Vergabe in den Herbst verschoben.
CDU-Vorstand Bilgin sagte der FR, Lehmann und Steinacker hätten mit ihrer Absage an Kermani "nicht überlegt gehandelt". Die Kirchenmänner müssten sich "überlegen, welche Botschaft sie in die Gesellschaft geben".
Der Streit zwischen den beiden Christen und dem Muslim Kermani hatte sich an dessen Einwände gegen die Theologie des Kreuzes entzündet. Bilgin, der selbst aus der Türkei stammt und Muslim ist, kommentierte: "Wenn man den Dialog in theologischen Themen führt, kann es keinen Konsens geben." Es gebe nur eine Grundlage für die Verständigung zwischen den Kulturen, "das ist das Grundgesetz, das uns verbindet".
Der 59-jährige Arzt Bilgin war 2006 auf ausdrücklichen Wunsch Kochs in den CDU-Landesvorstand gewählt worden, dem er seit 2002 bereits als kooptiertes Mitglied angehört hatte.
Bilgin hatte selbst den Avicenna-Preis ins Leben gerufen, der vor zehn Tagen in der Frankfurter Paulskirche an die "Allianz der Zivilisationen" verliehen wurde. Auch damals hatte es Auseinandersetzungen über die Preisträger gegeben, weil zu den Gründern der Allianz neben Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan und dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Zapatero auch der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan gehörte. Schirmherr Koch hatte die Vergabe auch an Erdogan jedoch verteidigt.
Meinungsverschiedenheit seien geradezu die Voraussetzung dafür, einen interkulturellen Dialog zu führen, argumentierte Koch.
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