Im Tal haben sich Vampire und Werwölfe vereint, um Bella vor den Rachegelüsten einer fremden Blutsaugerin zu beschützen. Hoch oben im Gebirge scheinen die Parteien noch lange nicht so weit. Die Heldin klappert vor Kälte mit den Zähnen, und als sich Jacob erbarmt, sie mit seinem Körper zu wärmen, findet das der Kaltblüter Edward gar nicht fein. Als vollendeter Gentleman muss er gleichwohl in den sauren Apfel beißen: Jacob schlüpft zu Bella in den Schlafsack, und als sie in aller Seelenruhe schlummert, kommen sich auch die leidenschaftlichen Rivalen ein wenig näher.
Sollte das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein? Für den US-Filmkritiker Roger Ebert sind die beiden in dieser Szene kurz davor, die bleiche Schülerin links liegen zu lassen und stattdessen gemeinsam den "Brokeback Mountain" zu erklimmen. Man kann nur hoffen, dass ihn die Hartgesottenen unter den "Twilight"-Fans nicht in die Finger bekommen.
Es ist viel über die Autorin der Buchvorlage, Stephenie Meyer, und ihre Enthaltsamkeits-Moral geschrieben worden, über die aufgeschobene Erfüllung als alleiniges Erzählprinzip und über die Pubertät als nicht enden wollende Passage von Unruhe und frühem Leid.
<ZT>Mädchenerweckungserlebnis</ZT>
Das Geheimnis ihres Erfolgs ist wohl banaler: Zwei bildschöne Jungs schmachten ohne Unterlass die Heldin an und würden einander ohne ihr beherztes Eingreifen ständig an die Gurgel springen. Für Mädchen, die vom Erwachsenwerden träumen, muss das ein narzisstisches Erweckungserlebnis sein.
Wer sich hingegen weder zu Team Edward noch zu Team Jacob zählt, hält sich in "Eclipse - Bis(s) zum Abendrot", dem dritten Teil der "Twilight"-Verfilmung, an kleine Ausflüchte wie die von Roger Ebert. Seine hinterlistige Gotteslästerung passt wunderbar zu einem Film, der jeden Meyer´schen Satz für heilig hält und seine durchaus begabten Darsteller in einem fort hölzerne Dialoge aufsagen lässt.
Wie im zweiten Teil tritt die Handlung wortreich auf der Stelle und kehrt am Ende zum Anfang zurück. Zwar bestellt David Slade endlich das Aufgebot für Bellas Hochzeit. Doch wird aus diesem hässlichen Film-Entlein wohl niemals ein Schwan.
Eclipse - Bis(s) zum Abendrot, Regie: David Slade, USA 2010, 124 Minuten.
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