„Ich glaubte, du branntest wie Feuer so heiß, dabei bist du kalt wie das Eis.“ So sang Hildegard Knef 1976 in „Was Du mir erzählt hast von Liebe und Treu“. Kalt ist es auch an diesem Mittwoch in Berlin. Dennoch will Eberhard Weißbarth zum zehnten Todestag der Schauspielerin und Sängerin auf den Waldfriedhof Zehlendorf gehen.
Vielleicht trifft der Autor des Buches „Hildegard Knef – zwischen gestern und heute“ dort auf Thomas M. Goerke, den Betreiber einer Knef-Fanseite. Auch er will heute Blumen niederlegen. Von weiteren Sympathiebekundungen weiß die Bezirksverwaltung nichts. Es habe sich kein Vertreter des öffentliches Lebens an dem Ehrengrab des Landes Berlin angekündigt.
So sind es Leute wie Weißbarth und Goerke, die Hildegard Knefs gedenken. Die beiden Männer gehören zu den treuen Fans einer Frau, die stets ein schwieriges Verhältnis zu ihren Landsleuten hatte.
Geboren wurde Hildegard Knef am 28. Dezember 1925 in Ulm, nach dem frühen Tod des Vaters zog die Familie nach Berlin, wo Hildegard das Rückert-Lyzeum (heute Rückert-Oberschule) am Innsbrucker Platz in Schöneberg besuchte und nebenher Theater spielte. Ihre Karriere begann mit einer Sensation: Regisseur Wolfgang Staudte engagierte die junge Frau 1946 für „Die Mörder sind unter uns“, den ersten deutschen Nachkriegsfilm, gedreht in Studios in Babelsberg und Johannisthal sowie an Außendrehplätzen in der zerbombten Stadt. Und mittendrin die 21-jährige Hildegard Knef als ehemalige KZ-Insassin.
Das machte Eindruck, auch in den USA. Knef erhielt einen Sieben-Jahres-Vertrag mit einem Studio, büffelte Englisch, nahm sogar die US-Staatsbürgerschaft an, ging nach Hollywood, war dort eine der ersten Deutschen. Doch die ganz großen Rollen waren ihr nicht vergönnt. Also drehte sie auch daheim, so wie 1951 „Die Sünderin“. Eine (für heutige Verhältnisse züchtige) Nacktszene, Prostitution, Selbstmord – der Film war ein Skandal, begleitet von Demos, Verboten und einer Klage vorm Bundesgerichtshof. Erschrocken ging Knef in die USA, kam dort aber nicht zurecht, brach Verträge und kehrte 1957 zurück.
Ihre Schauspiel-Karriere lag danieder. Zwar erhielt sie überall immer mal Engagements, prinzipiell aber verlegte sie sich mehr und mehr aufs Singen. Mit Erfolg, schließlich sagte selbst die große Ella Fitzgerald, Knef sei „die beste Sängerin ohne Stimme“. Ihr rauchiges Organ und der gefühlvolle Vortrag wurden Markenzeichen.
Und doch blieb Hildegard Knef eine Getriebene. Zwar hatte sie schon legendär „noch einen Koffer in Berlin“, doch „Hildchen“, wie sie der Boulevard gerne vereinnahmte, legte sich auch immer wieder mit demselben Boulevard an. Sie fühlte sich verunglimpft und reagierte gekränkt. Immer wieder floh sie in die USA, stets kehrte sie zurück.
„Für mich soll’s rote Rosen regnen“
Endgültig rehabilitiert wurde Hildegard Knef erst mit dem Hit „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, den sie 1992 zusammen mit der Band Extrabreit aufnahm. Sie hatte den Frieden mit der alten Heimat gemacht, die ihr ihr ständiges Fernweh so lange übelgenommen hatte. 2001erhielt sie die Staatsangehörigkeit zurück.
Zur Trauerfeier platzte die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche aus allen Nähten. Das alte West-Berlin erwies einer großen Tochter der Mauerstadt die Ehre. Es kondolierten Bundespräsident Johannes Rau und Bundeskanzler Gerhard Schröder. Mittlerweile trägt der Platz vor dem Bahnhof Südkreuz in Schöneberg ihren Namen.
Ein großer Verehrer Knefs ist der Kabarettist Ulrich Michael Heissig. Als Irmgard, Hildes Schwester, singt er ihre Lieder. Zumindest was das Wetter am Todestag betrifft, hat es Heissig nicht so schlecht getroffen. Irmgard unterhält derzeit die Passagiere der MS Europa. Dieser Tage kurvt das Kreuzfahrtschiff um die Fidschi-Inseln in der Südsee. Für heute sind 24 Grad angesagt.
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