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02. Januar 2013

HR-Orchester : Jahreswechsel mit Windmaschine

 Von Gerd Döring

Von Don Quichote bis Siegfried stehen beim Jahreswechselkonzert des HR-Sinfonieorchesters Helden im Mittelpunkt.

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Stürmisch und amüsant ist er, der Jahreswechsel mit dem Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks. Mit kräftigem Ensemblespiel, aber auch mit subtilen Soli stimmen uns die Musiker ein auf das Jahr 2013. Am Pult indes steht nicht der Chefdirigent Paavo Järvi, das Konzert wird geleitet von José Luís Gómez.

Schon zum Neujahrskonzert vor Jahresfrist war der junge Dirigent aus Venezuela für den erkrankten Carlos Miguel Prieto eingesprungen, heute steht er im Kurhaus Wiesbaden planmäßig vor dem Orchester, mit dem er seit nunmehr zwei Jahren arbeitet. Gleich nach dem Gewinn des Solti-Dirigentenwettbewerbs 2010 hatte ihn Järvi als „assistant conductor“ gewonnen. Eine Position, die Gómez weiter innehaben wird, auch wenn ihm jüngst die Leitung des Orchestra Teatro Social de Como anvertraut wurde.

Mit viel Aplomb, aber auch dem einen oder anderen Augenzwinkern stehen „wackere Helden“ im Fokus des Programms. Mächtig ausgemalt in Tönen ist die Alpenszenerie in Gioachino Rossinis Ouvertüre zu „Wilhelm Tell“ und ähnlich großzügig mit Stimmungen arbeitet Camille Saint-Saëns in der „Spartacus-Ouvertüre“ von 1863. Süffiges und klanglich auch ein wenig überbordendes Heldentheater, das sich – nunmehr getragen – fortsetzt in den Auszügen aus Richard Wagners „Götterdämmerung“, die von Gómez mit der nämlichen Gründlichkeit ausdirigiert werden. Auf den Taktstock mag der Dudamel-Schüler so wenig verzichten wie auf sehr deutliche Hinweise an seine Musiker.

Furioses Finale

Das Programm wartet noch mit einem weiteren, doch eher gebrochenen Helden auf, bevor Gómez dann im Finale noch einmal mit mächtigem Einsatz von Bläsern und Schlagwerk furios aufspielen lässt. Das dritte Bild aus dem Zyklus „Ma Vlast“ beendet das Konzert, Szenen aus dem Leben der Amazone Sarka, die Bedrich Smetana versehen hat mit einem furiosen Finale – Gómez lässt begeistert die Zügel schießen.

Weitaus subtiler waren Dirigent und Orchester zuvor zu hören, als sie mit dem Cellisten Daniel Müller-Schott den „Don Quixote“ von Richard Strauss auf die Bühne stellten. Ein hochspannendes Tongemälde, das heute noch ob seiner atonalen Einschübe für Stirnrunzeln und ungläubiges Staunen im Publikum sorgt. Die Erzählung wird begleitet von farbigen Einsätzen der Bläser (Horn, Klarinetten, Tuba) und grundiert vom mal abgründigen, mal melancholischen Spiel der tiefen Streicher. Mit quickem Spiel findet das Orchester immer wieder in das Walzeridiom, das von Gomez mit weitschwingenden Armbewegungen eingefordert wird. Eingeschoben sind die Abschnitte mit den seltsamen, hier auch skurril klingenden Abenteuern des Ritters von der traurigen Gestalt. Eine (Klang-)Reise, die der treue Knappe Sancho (an der Bratsche: Gerd Grötzschel) sorgsam begleitet bis zum bittersüßen Ende.

Eine fantasievolle Interpretation des Quixote-Stoffes, die Strauss hier ersonnen hat und die vom Orchester des HR mit Feingefühl und viel solistischem Können umgesetzt wird. Immer im Zentrum steht das Cello von Müller-Schott, der sich skurrile Dialoge liefert mit Bassklarinette und Tuba. Leise klingen von ferne die Kastagnetten, und wenn Quixote gegen die Mühlenflügel stürmt, springt die Windmaschine an.

Eine famose Leistung, für die das Orchester mindestens so stürmisch gefeiert wird, wie nach den schmissigen Beiträgen von Rossini und Smetana.

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