Der SPD-Kultursenator heißt weiter Klaus Wowereit, sein Staatssekretär André Schmitz, aber es gibt auch einen Wechsel in der Kultur: Den Vorsitz des Kulturausschusses führt künftig nicht mehr Alice Ströver (Grüne), sondern der Wirtschaftssprecher der SPD-Fraktion Frank Jahnke, 54. Er studierte Mathematik und Volkswirtschaft. Gestern gab Frank Jahnke ein kurzes Telefon-Interview.
Herr Jahnke, Sie sind Wirtschaftspolitiker, saßen noch nie im Kulturausschuss – was führt Sie dorthin?
Die Wirtschaft in Berlin ist von der Kulturpolitik ziemlich abhängig. Kultur ist ein Pfund, mit dem Berlin wuchern kann, 160 000 Arbeitsplätze sind direkt in der Kultur- und Kreativwirtschaft anhängig. Auch viele Touristen kommen nur wegen der Kultur nach Berlin. Kultur entspricht auch meinen Neigungen.
Sie gehen gern ins Theater?
Ins Theater, in Konzerte, ich beschäftige mich mit Musik, bildender Kunst. Kultur und Stadtentwicklung hängen eng zusammen.
Ich dachte, den Kulturausschuss übernimmt jemand mit Erfahrung.
Der Ausschuss hat eine moderierende und repräsentierende Funktion, die Kulturpolitik wird mehr von den Sprechern gemacht.
Der Kulturausschuss soll Widersprüche aufspüren, Empfehlungen aussprechen, vor allem finanzielle.
Es kommt alles auf den Tisch.
Was werden die Schwerpunkte?
Die Kunsthalle, die Landesbibliothek, was machen wir mit der Altstadt, wie geht es weiter mit den Opern? Wir haben viel vor.
Ob man die Opernstiftung behalten soll, ob man eine Kunsthalle braucht – haben Sie sich zu diesen Fragen eine Meinung gebildet?
In Berlin wird nicht nur mit Kunst gehandelt, sondern es wird auch Kunst geschaffen. Diese Kunst in einer Kunsthalle zu zeigen, halte ich für ein angemessenes Vorhaben. Die Finanzierung ist nicht einfach.
Vor allem, wenn sie ausgerechnet gegen den Widerstand von Künstlern durchgesetzt werden soll.
Das ist ja klar, dass das Konzept so sein muss, dass die Künstler sich dort wiederfinden.
Sie sagten zum Auftakt, Kunst müsse immer auch wirtschaftlich tragfähig sein. Was meinen Sie denn damit?
Das ist keine neue Erfindung, seit Dürer und Michelangelo brauchte Kunst immer eine wirtschaftliche Basis. Auch in der Demokratie muss sich Kunst ökonomisch tragen.
Öffentlich geförderte Kultur ist gerade nicht wirtschaftlich tragfähig.
Nein, ich meine ja nicht, dass wir nur noch Kommerzkunst machen, sondern die Gesellschaft muss Kunst auch ermöglichen. Aber aus dem Landeshaushalt kann nun nicht jedwedes Kunstprojekt finanziert werden. Man muss sich was einfallen lassen, wie Kunst gefördert wird, wie eine Kunsthalle entsteht, vielleicht auch zusammen mit privatem Kapital. Das ist im Einzelfall zu realisieren.
Aber Kunst soll doch gerade nicht wirtschaftlich zweckgerichtet, interessengesteuert und auf Erfolg aus sein. Sie ist vor allem ein Experiment mit dem Risiko des Scheiterns.
Dieses Risiko hat doch aber jedes Unternehmen.
Künstlerischer Erfolg lässt sich nicht berechnen wie unternehmerischer.
Richtig. Ich sehe auch den gewissen Vordenker-Wert der Kunst für die Gesellschaft. Daher muss sie die Freiheit haben, sich zu entwickeln.
Sie müssen den Rahmen dafür schaffen im Kulturausschuss.
Sag ich ja.
Das Gespräch führte Birgit Walter.
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