Gab es Momente, wo es für sie zu weit ging?
Es gab eine Szene, die war eigentlich als Überblendung gedacht, wo man das Geschlecht des Pornodarstellers und dahinter mein Gesicht sieht. Lars fragte mich, ob er wie geplant zwei Aufnahmen machen und beide überblenden soll oder ob ich mich darauf einlasse. Ich habe mir das zugetraut. Warum sollte mich das stören, eine Einstellung mit einem Pornodarsteller zu machen? Als es dann soweit war, wurde mir ganz anders. Ich bin wirklich nicht prüde, aber plötzlich kam ich mir vor wie in einem falschen Film: Es war nicht mehr Willem Defoe, sondern dieser Pornodarsteller, der sich masturbierte, weil sein Geschlecht erigiert aufgenommen werden sollte. Lars fragte mich, ob wir dann noch die Szene drehen können, wo ich einen Holzblock auf sein Geschlecht werfe. Es ging nur um meine Hände. Aber da war dann endgültig Schluss. Die pornographischen Szenen hätte ich schlicht und einfach nicht drehen können. Da ist meine Grenze. Eigentlich eine lächerliche Grenze...
Wieso lächerlich?
Sagen wir so: Ich habe meine Grenze gesucht und wusste vorher wirklich nicht, wo sie war. Ich kann mir Sachen theoretisch sehr schlecht vorstellen. Aber neben jemand zu liegen, den man nicht kennt, mit dem ich den Film nicht hätte drehen wollen, ändert alles. Es hat mich überrascht und zugleich auch geärgert, dass ich vorher nicht gewusst hatte, wo meine Grenze ist. Ich bin nicht jemand, der vorher sagt: Bis dahin und nicht weiter.
Was eigentlich ziemlich normal ist....
Nein. Es gibt Leute, die Prinzipien haben. Ich gehöre nicht dazu. Das macht einen verletzlicher, keine Prinzipien zu haben. Andererseits muss man einfach nur mutiger sein und sich nicht überrennen lassen und Halt schreien, wenn man nicht weitergehen will.
Welches Bild haben Sie von Deutschland, nachdem sie zwei Monate in einem gruseligen Wald und einem menschenleeren Hotel verbracht haben?
Das Hotel und der Wald waren zwei eigene Welten. Der Wald war wunderschön, aber machte mir wirklich Angst.
Das klingt nicht wie eine Liebeserklärung...
Sagen wir so: Ich habe kein ganz so schreckliches Bild, wie man denken könnte.
Interview: Martina Meister
Kritiken und Nachrichten: Theater, Musik, Literatur, Film und Fernsehen