Warum gerade Los Angeles? Ist die Stadt für Sie paradigmatisch?
Natürlich - L.A. ist der Inbegriff der amerikanischen Stadt des 21. Jahrhunderts. Man könnte L.A. sogar als Kulturhauptstadt der Welt begreifen. Keine andere Stadt der Erde produziert mehr Kultur als L.A., wenn man Film, Fernsehen und Musik zusammen nimmt. Jeder in der Welt kennt Hollywood, es ist ein ebenso kraftvolles Symbol wie die Freiheitsstatue. L.A. symbolisiert einen Traum für die Menschen, es stellt für sie das Versprechen eines besseren Lebens dar.
Die meisten Charaktere des Romans träumen einen solchen Traum, den amerikanischen Traum. Sie auch?
Ich bin selbst ein Beispiel dafür. Ich bin der Enkel eines Einwanderers aus dem Elsass, habe in einem kleinen Laden in Chicago als Drucker gearbeitet und jetzt reise ich um die Welt und rede über Bücher, die ich geschrieben habe.
Erfährt der amerikanische Traum durch Barack Obama gerade eine Renaissance?
Unser Präsident verkörpert diesen Traum wie kein anderer. Der schwarze Sohn eines muslimischen Immigranten aus Afrika wird zum mächtigsten Mann des Planeten. Das ist unglaublich und es kann nur hier passieren. Natürlich hat der amerikanische Traum seine Tücken und er wird nur für einen Bruchteil der Menschen wahr, aber es ist hier immer noch möglich, alles zu sein und alles zu tun, was man möchte.
Was tun Sie gerade? Arbeiten Sie an einem neuen Buch?
Ja, es heißt "Das letzte Testament der heiligen Bibel". Es soll das dritte Testament sein und ich beschreibe darin, wie es wäre, wenn der Messias heute auf die Erde käme und in New York herumliefe. Was wäre er für eine Person, was würde er glauben, wer würde an ihn glauben, wie würden die Leute auf ihn reagieren, wie die Gesellschaft ihn behandeln? Das alles wird aus der Perspektive und mit den Stimmen von Leuten im Umfeld des neuen Messias erzählt, so wie im neuen Testament. Es soll ein Angriff auf religiösen Fanatismus und auf religiöse Verlogenheit sein.
Spielt es auch mit den Grenzen zwischen Fakten und Fiktion?
Unbedingt. Viele Menschen nehmen die beiden Bücher der Bibel für bare Münze, dabei wurden sie auch nur von Leuten wie mir geschrieben. Sie glauben daran, dass Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen hat und die beiden ersten Menschen in einem perfekten Garten gelebt haben. Wenn die Leute das als Tatsache nehmen, müssen sie mein drittes Testament genauso ernst nehmen. Ich befürchte aber, dass kein amerikanischer Verleger das veröffentlichen wird, wenn sie schon bei "Tausend kleine Scherben" derart vor Angst zusammengezuckt sind. Ich denke deshalb darüber nach, das Buch gar nicht erst in den USA zu veröffentlichen.
Interview: Sebastian Moll
Kritiken und Nachrichten: Theater, Musik, Literatur, Film und Fernsehen