Wie sieht es denn andersherum aus? Was wird aus China ins Deutsche übersetzt?
Das ist noch sehr unausgewogen. Ein Schlüsseljahr war 2004: Da wurden 660 deutsche Lizenzen nach China vergeben, aber aus China nach Deutschland nur eine. Das war für GAPP damals ein Schock. Seitdem strengt sich die Regierung sehr an und die Verlage stehen unter Druck, Bücher herauszubringen, die international erfolgreich sein können.
Für den Gastlandauftritt hat China ein Übersetzungsprogramm aufgelegt.
Es steht in jedem Gastland-Vertrag, dass das Gastland eine Übersetzungsförderung ins Leben rufen soll. China hat das auch akzeptiert, zog aber die Vorbereitungen dann sehr in die Länge, weil die Behörden da keine Erfahrung hatten. Irgendwann hat das Finanzministerium dann bekannt gegeben, dass dafür fünf Millionen Yuan (500000 Euro) bereitgestellt werden. Anfangs wollte GAPP das Geld ausschließlich an chinesische Verlage geben. Da habe ich GAPP noch einmal erklärt, dass es doch Sinn der Sache ist, deutsche oder englische Verlage zu ermutigen, chinesische Literatur in ihr eigenes Programm aufnehmen und dann mit ihrer ganzen Expertise zu vermarkten. GAPP hat das sehr halbherzig aufgenommen. Die Mehrheit des Geldes bekommen nach wie vor die chinesischen Verlage, aber mit einem kleinen Teil gehen sie ins Risiko. Immerhin wurden jetzt zwanzig Titel von deutschen Verlagen gekauft und mit Übersetzungsförderung unterstützt, mit etwa 20 Prozent der Gesamtsumme.
Interview: Bernhard Bartsch und Arno Widmann
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