Herr Zhao, der "Hof für die Pachteinnahme" wird erstmals außerhalb Chinas gezeigt - und Sie sind nicht dabei. Warum wurden Sie nicht nach Frankfurt nicht eingeladen?
Das frage ich mich auch ein wenig. Ich habe nur zufällig von der Ausstellung gehört. Aber ich kann mir schon denken, wie das gelaufen ist. Lassen Sie mich raten: Von der Sichuan Kunstakademie fährt bestimmt eine große Delegation.
Ja, allerdings kein Künstler, sondern nur Hochschulhonoratioren.
Das ist typisch. Es hat in den vergangenen Jahren ja viele Diskussionen darüber gegeben, wem der "Pachthof" eigentlich gehört. Ursprünglich war das ein Kollektivkunstwerk von Künstler der Akademie und aus Dayi, wobei ich der Teamleiter war. Aber heute versuchen alle, ihren Profit daraus zu schlagen. Da die Fiberglasausführung, die in Frankfurt gezeigt wird, dem Museum der Akademie gehört, versuchen die das natürlich alleine zu vermarkten. Deswegen haben sie weder mich informiert, weil ich seit 1978 nicht mehr zur Akademie gehöre, noch die Leute in Dayi, wo ja noch immer das Original steht. Die Deutschen haben das sicherlich gar nicht richtig durchschaut. Es ist ja auch alles ziemlich verworren.
Ärgert Sie das?
Eigentlich nicht. Was sollen wir uns denn über Geld, Politik und
Eitelkeit streiten? Das Werk ist zwar unter den Bedingungen der Planwirtschaft entstanden und nun Teil eines marktwirtschaftlichen Kunstbetriebs, aber in erster Linie ist es eben ein Kunstwerk, und es freut mich, dass es jetzt über China hinaus Aufmerksamkeit bekommt.
Was hat denn ein Klassenkampfkunstwerk heute noch für Relevanz?
Natürlich hatte Kunst unter Mao vorrangig eine politische Funktion. Aber wenn Sie sich den Pachthof anschauen, werden Sie sehen, dass er eine wundervolle Verschmelzung westlicher und östlicher Bildhauertradition ist. Einerseits orientieren sich die Figuren deutlich an europäischen Vorbildern, wie Rodin, aber der Faltenwurf der Kleidung stammt aus der buddhistischen Kunst. Wir haben alle sehr viel Leidenschaft in dieses Werk gelegt, denn Entfaltungsmöglichkeiten wie diese gab es damals wenig.
Und er hat allen beteiligten Künstler Gelegenheit gegeben, auf dem Ruhm des Pachthofs ihre Karriere aufzubauen.
Das Werk hat uns Glück und Unglück gebracht. Ich wurde erst zum Minister für bildende Kunst berufen, und wenig später als Konterrevolutionär zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde in vier Jahre Straflager umgewandelt.
Und was machen Sie heute?
Ich sammle Antiquitäten. Das ist skurril: Früher hatten wir Künstler die Aufgabe, alles Alte zu zerstören, heute bewahre ich, was davon noch übrig ist.
Interview: Bernhard Bartsch
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