Seine bunten, dicklippigen, poppig-infantilen Bildmenschen und ihre bunte, dicklippige Welt sind überall: Auf Postwagen und anderen Autos, auf Plakaten und Postkarten, Tassen und Briefmarken, Plattencovern und Telefonkarten, ja sogar auf Flugzeugen und ganzen Häusern. Wahrscheinlich gibt es gar keinen Gegenstand auf dieser Welt, auf den James Rizzi seine Kunst nicht gerne aufgebracht hätte.
Die ganze Welt ist eine James-Rizzi-Welt, das war eine der Botschaften des New Yorker Künstlers. Und wer wollte sich schon Rizzis einnehmendem, offenem Wesen verweigern? Überall, wo er auftauchte, freuten sich die Menschen, und er hat seinen Ruhm oft für wohltätige Zwecke eingesetzt. Gerade in Deutschland hatte in Rizzi ein treue, enthusiastische Gemeinde. Die Porzellan-Manufaktur Rosenthal produzierte Aschenbecher, Vasen und Kannen mit seinen Motiven, die Deutsche Post eine Briefmarke, und in Braunschweig gestaltete er die Fassade des „Happy Rizzi House“.
Und ja, es gibt sogar klassische Leinwandbilder von Rizzi, aber trotz seiner Popularität und seines Welterfolgs fand er damit in der klassischen Kunstwelt nicht die Anerkennung, die seine Millionen Fans ihm zubilligen.
Rizzi ließ sich davon nicht beirren. Er wurde 1950 als Sohn einer irisch-italienischstämmigen Familie in Brooklyn geboren und wuchs im multikulturellen New York auf, das er zum Hauptthema seiner Malerei machte. Er war ein echter Volkskünstler, und es ist sicher hochmütig, Rizzi dies vorzuwerfen. Denn Kunst für alle, Kunst, die jeder versteht, Kunst ohne den Ballast der Kunstgeschichte und das sonst im Kunstbetrieb so kanonische konzeptuellen Beiwerk: Dagegen ist ja nichts einzuwenden. Die Kunst ist frei und ihre Rezeption auch.
Man muss die Strichmännchen, die Kinderautos, die umherwogenden Kinderhochhäuser, die pralle, bis zum Platzen mit Fröhlichkeit, Frieden und Einigkeit gefüllte Welt eben mögen. Oder man lässt es, wie es fast die gesamte professionelle Kunstwelt tut. Interessant ist dagegen der Vergleich mit Keith Haring, ebenfalls ein New Yorker Strichmännchen-Maler, der seine Kunst flächdeckend vermarktete. Warum schaffte es Haring ins MoMA und Rizzi nicht? Das sollte uns jetzt beschäftigen.
Am Zweiten Weihnachtsfeiertag ist James Rizzi, wie erst jetzt bekannt wurde, mit 61 Jahren gestorben. Er wird von einer bunten, fröhlich bemalten Wolke auf uns fürsorglich herabschauen.
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