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Julius Shulman ist tot: Augen fürs Haus

Julius Shulman begann in den dreißiger Jahren zu fotografieren. Er schuf ein Mammutwerk, eine Bilderschau der Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Nun ist er mit 98 Jahren gestorben.

Ein Selbstzitat: Julius Shulmann 2006 vor Pierre Koenigs Case Study House No. 22. 1947 hatte er die Hausbesitzerin in genau der gleichen Position festgehalten.
Ein Selbstzitat: Julius Shulmann 2006 vor Pierre Koenigs "Case Study House No. 22". 1947 hatte er die Hausbesitzerin in genau der gleichen Position festgehalten.
Foto: rtr

Shulman, endlich mal ein Foto von einem, der verstanden hat, was ich aussagen will" - der begeisterte Ausruf Frank Lloyd Wrights galt einem, der in der Architekturfotografie alles erreicht hat. Jetzt starb der legendäre kalifornische Fotograf Julius Shulman im Alter von 98 Jahren.

Shulman begann in den dreißiger Jahren zu fotografieren, gefördert vor allem von Richard Neutra, dessen Werkverzeichnis "Complete Works" ausschließlich mit Shulman-Fotografien illustriert ist. Seit 1936 entstand dieses Mammutwerk, eine Bilderschau der Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts, ein Gang durch die Dekaden, bei dem sich Shulman doch treu geblieben ist. Shulman wusste genau, was gute Architekturfotografie bedeutet: die Kunst nämlich, den Gestaltungswillen des Architekten auf den Punkt zu bringen - eine fotografische Synthese zu schaffen.

Julius Shulman beim Filmfest in Los Angeles im Jahr 2008.
Julius Shulman beim Filmfest in Los Angeles im Jahr 2008.
Foto: Getty Images

Wenn Architekturfotografie manchmal allzu nüchtern und kühl daherkommt, dann kaum hier: Shulman - gleichwohl um Präzision und Genauigkeit bemüht - wusste stets, wonach der Betrachter dürstet: Oft setzt der 1910 in Brooklyn geborene Fotograf die Architektur in Beziehung zu ihrer landschaftlichen Umgebung oder lässt Menschen in seinen Bildern auftreten, wie etwa bei der spektakulären Nachtaufnahme des 1959-1960 gebauten "Case Study House No. 22" hoch über dem funkelnden Los Angeles - einer jener zeitlos-eleganten, transparenten, minimalistischen Glaskästen des kalifornischen Architekten Pierre Koenig, den Shulman durch seine Fotografien weltbekannt machte.

Koenig selbst fasste den optimistischen Geist jener kalifornischen Architekturjahre einmal so zusammen: "Als Outdoor Living immer wichtiger wurde, fühlten wir, dass unsere Häuser das reflektieren sollten. Der Außenraum war ein Kontinuum des Innenraums; wir planten die Gebäude ebenerdig, so dass der Außenraum nach innen fortgesetzt werden konnte... Architektur war viel mehr eine soziale Aufgabe als heute."

Einige der Aufnahmen Shulmans wirken wie Filmstills - deuten eine Story an, über deren Ausgang wir nur spekulieren können. "Ich verändere die Architektur nicht, sondern lege eine Qualität hinein, die sie magisch erscheinen lässt, so dass die Leute sagen: Das ist ein wunderbares Bild. Ich möchte in diesem Haus leben", sagte Shulman einmal über seine Arbeit.

Auch wir, die Betrachter seiner Fotografien, können dem Wunsch nicht widerstehen. Auch wir möchten in diesen Häusern leben. In Häusern wie Ufos, vom Licht umstrahlt, mit einer Aussicht bis zum Horizont: Es sind atmosphärisch aufgeladene Bauwerke, die den Fortschrittsoptimismus ihrer Zeit spiegeln, die von der kalifornischen Leichtigkeit des Lebens künden, vom Genuss des Wohnens. Shulman konnte diese elegante Lust am Leben wie kaum ein anderer einfangen. Am 15. Juli ist der große Fotograf des amerikanischen Modernismus in Los Angeles, wo er seit 1920 gelebt hatte, gestorben.

Autor:  Marc Peschke
Datum:  17 | 7 | 2009
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