Gestern fand in Oberhausen in der Pfarrkirche Herz Jesu der Trauergottesdienst für den vor einer guten Woche verstorbenen Christoph Schlingensief statt. Es war eine Feier ganz ohne Fernsehkameras und Photoapparate für vielleicht 500 trauernde und traurige Menschen. Die Herz Jesu Kirche ist die Kirche, in der Schlingensief viele Jahre lang Messdiener war. Vor zwei Jahren hat er sie in Duisburg nachbauen lassen und darin seine Krebs-Messe „Die Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ aufgeführt.
Es sind etliche Messen geworden, die Christoph Schlingensief in seinem Leben gefeiert hat. Vielen erschienen diese Messen blasphemisch, manchmal waren sie es. Er hat auf Kirche, Gott und Glauben geschimpft, er hat aus der katholischen Kirche die Kirche gemacht, von der er glaubte, dass er und andere Menschen sie brauchen.
Dass es nun eine ganz normale Totenmesse für ihn gab, erscheint trotzdem natürlich und notwendig. Es war übrigens ein Seelenamt. Wenn wir es recht im Kopf haben, wird das Seelenamt für die Seelen im Fegefeuer gefeiert.
Die Messe unter Leitung von Pfarrer Michael Dörnemann war schön und angemessen, sachlich und emphatisch zugleich. Dass sie in Schlingensiefs Geburtsstadt Oberhausen stattfand, zeigt wahrscheinlich, wo er am meisten glaubte, er selbst zu sein. So war auch die Messe, nah bei Schlingensief und ganz katholisch. Man spürte, wie nah sich Schlingensief und der Katholizismus doch waren. Die Lesung aus dem Johannes-Evangelium drehte sich um Christus, der zum toten Lazarus geht. Als ihm Magda entgegenkommt, sagt er: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Dann fragt er sie: „Glaubst du das?“
Die Predigt drehte sich klug um das „bin“ in „Ich bin die ...“. Das Sein des Menschen sage mehr, als man sagen kann, sagte der Priester. Die Predigt drehte sich auch um die Auferstehung und das Leben, die als Schlingensiefsches Fest zu begreifen der Priester sich nicht scheute. So in Schwung unterstrich er auch noch Schlingensiefs Buchtitel „So schön wie hier kann's im Himmel gar nicht sein“ und machte den christlichen Glauben zu einer Feier des Diesseits. Wer hat hier eigentlich wen bekehrt?
Sepp Bierbichler sang ein Stück aus der „Kirche der Angst“, eine Sopranistin aus dem Matthäus-Oratorium, die Gemeinde sang „O Haupt voll Blut und Wunden“. Beim Hinausgehen sagte jemand singend in der Menge: „Tschüüüs Christoph. Gute Heimreise.“
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