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Kölner Stadtarchiv: Erfolgreiche Rettungsaktion

Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs fürchteten Historiker das Schlimmste. Doch nun zeigt sich, dass in Münster, wohin ein Großteil der Dokumente gebracht wurde, alles gerettet werden konnte.

Eines der aus dem Kölner Stadtarchiv geretteten Bücher.
Eines der aus dem Kölner Stadtarchiv geretteten Bücher.
Foto: dpa

Als vor zehn Monaten in Köln das Stadtarchiv in sich zusammenstürzte, fürchteten Historiker das Schlimmste. Nach dem Unglück mit zwei Toten lagen tausende wertvoller Akten und Bücher unter Tonnen von Schutt begraben, viele davon waren zudem durch Regen und Grundwasser durchnässt.

Eile war geboten, um die Dokumente vor der völligen Zerstörung zu bewahren. Fachleute an mehreren Orten begannen sofort damit, das durchnässte Archivgut zu trocknen. In Münster, wohin ein Großteil der Dokumente gebracht wurde, steht der Rettungseinsatz jetzt vor dem Abschluss. Keines der in Münster angelieferten Dokumente ist verloren.

Seit März laufen die Maschinen, in denen die feucht gewordenen Dokumente getrocknet werden, rund um die Uhr. Mehr als 20 Tonnen an Büchern und Akten haben die Mitarbeiter der Restaurierungswerkstatt des Westfälischen Archivamtes behandelt.

Für das Team von Birgit Geller, der verantwortlichen Restauratorin, war der Einsatz dennoch beinahe Routine. "In Archiven kommt es immer wieder zu Wasserschäden.

Mal ist es ein geplatztes Heizungsrohr, mal eindringendes Oberflächenwasser oder eine defekte Sprinkleranlage", erzählt Geller.

Unmittelbar nach dem Unglück waren die nassen Kölner Pergament- Bündel und Bücher in ein Kühlhaus nahe Münster gebracht worden, um sie dort bei minus 25 Grad einzulagern. Durch das Tieffrieren sollte Schimmelbildung und Verklebungen vorgebeugt werden.

Nach und nach haben Geller und ihre Kollegen die Akten in die Restaurierungswerkstatt geholt. Dort wurden sie in einer Gefrierschrank-ähnlichen Anlage getrocknet.

Innen sind die Akten einem Vakuum ausgesetzt, das Eis ging dabei vom festen sofort in einen gasförmigen Zustand über. Wenn das Gas abgesaugt wird, bleiben nur trockene Seiten über.

"Die meisten Sachen waren innerhalb von zwei bis vier Tagen trocken, nur einige richtig nasse Dokumente brauchten bis zu zwei Wochen", sagt Geller. Ein warmes Gebläse wäre keine Alternative gewesen. "Das hätte Ränder auf dem Papier verursacht und ganz schnell zu Schimmelpilzbefallen geführt."

Nach der Trocknung wurden die Akten oberflächengereinigt. Damit gefährliche Beton-Feinstäube und Sporen nicht in die Luft gelangen, geschieht dies üblicherweise hinter einer Abzugshaube. Seite für Seite mussten die Mitarbeiter der Werkstatt umblättern und kontrollieren - eine mühselige Arbeit.

Doch noch aufwendiger ist die Aufgabe für die Mitarbeiter des Kölner Stadtarchivs. Nachdem die erste Hilfe für die Dokumente vorüber ist, müssen sie Ordnung ins Chaos bringen. Da die Bergungsarbeiten seinerzeit schnell über die Bühne gehen mussten, blieb keine Zeit, um das Archivgut zu sortieren.

"In den Containern, die zu uns kamen, lagen die Dokumente so, wie sie geborgen wurden", sagt Geller und meint damit, dass wertvolle Handschriften aus dem Mittelalter neben, auf und unter Akten aus den 1950er Jahren oder der napoleonischen Zeit landeten.

Und dann ist da auch noch ein Riesenberg an Papierfetzen und Schnipseln. Er entstand, als bei dem Einsturz viele Dokumente in Einzelteile zerrissen. Ähnlich wie bei den zerschredderten Stasi- Akten soll ein Computersystem helfen, die "Köln-Flocken" genannten Schnipsel zusammenzufügen.

Doch es gibt ein Problem: "Bei den Stasi- Akten haben Sie Maschinenschrift und gerade Kanten, viele der Kölner Fragmente sind dagegen handschriftlich und haben Risskanten, das macht die Sache schwieriger", sagt Geller. Für die Mitarbeiter des Kölner Stadtarchivs hat die Arbeit gerade erst begonnen, scheint es. (dpa)

Datum:  4 | 1 | 2010
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