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17. Januar 2013

Kommentar zu Tarantino: Pulp und Provokation

 Von Christian Thomas
Ein unschlagbares Duo: Dr. King Schultz (Christoph Waltz, l.) und Django (Jamie Foxx) in Tarantinos neuem Werk.  Foto: Sony

Wenn der Regisseur Quentin Tarantino sich nicht nur als knallharter Mann des internationalen Kinos, sondern als Weltbürger äußert, kommt das eine zum anderen.

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Wenn der Regisseur Quentin Tarantino sich nicht nur als knallharter Mann des internationalen Kinos, sondern als Weltbürger äußert, kommt das eine zum anderen.

Tarantino vereint Pulp und Provokation. Pulp lässt sich mit Schund übersetzen. Zur Provokation zählt, dass der US-Regisseur, um seinen Django-Film in Deutschland vorzustellen, kein Podium ausgelassen hat, sich ignorant zu äußern.

Im Interview mit dieser Zeitung kann das nachgelesen werden: „Die Sklaverei war ein Holocaust – und zwar einer, der 245 Jahre andauert. Genauso wie die Ausmerzung der amerikanischen Ureinwohner ein Holocaust war, nicht weniger schlimm als der Holocaust im Zweiten Weltkrieg oder der Völkermord an den Armeniern. Natürlich hat jedes dieser schrecklichen Ereignisse seine ganz eigene, nicht vergleichbare Geschichte. Aber letztlich ging es in allen Fällen um rassistisch motivierten Genozid.“

Man muss auf dieses Zusammenspiel von Pulp und Provokation vielleicht als Pädagoge antworten. Dazu zählt, dass es nicht der Zweite Weltkrieg war, der den Holocaust hervorbrachte. Schon das ist ein ungeheures Missverständnis – eine Laxheit angesichts der Tatsache, dass die „Endlösung der Judenfrage“ ein Programm der Nazis war. Wohl wahr, Tarantino ist als Filmemacher ein Jongleur der Zeichen, der Zitate und Anspielungen.

Wenn er also erwiesenermaßen kein Regisseur des Einfühlungskinos ist, so ist er doch als Weltbürger aufgefordert, sich ein wenig mehr mit der Weltgeschichte vertraut zu machen, darunter der Frage, warum die USA heute, nach 245 Jahren, kein KZ sind, in dem die schwarze Bevölkerung ins Gas geschickt wird.

Nicht, dass sich die Ermordung der europäischen Juden nicht vergleichen ließe, im Gegenteil. Es ist der Vergleich mit dem Genozid an den Armenieren oder der Politik der Sklaverei, mit den „Killing Fields“ von Kambodscha oder dem Völkermord in Ruanda, der den Zivilisationsbruch des Holocaust markiert. Die Massenmordmaschinerie der Nazis war ein bürokratisch und industriell perfektes System.

Bei allem war die „Endlösung der Judenfrage“ nicht nur ein rassistisch motivierter Genozid. Sie war ausdrücklich keine Schund-Strategie, vielmehr die zu allem entschlossene Eskalation des vermeindlich Hochkulturellen gegen ein anderes Volk. Um es auszulöschen, erfand die instrumentelle Vernunft Todesfabriken, die an eine perfekte Infrastruktur der Verfolgung in fast ganz Europa angeschlossen waren.

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