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21. Januar 2013

Komödie Frankfurt: Plötzlich Herr Heppelmann

 Von Judith von Sternburg
Das einzige freie Zimmer ist ein Debakel: Nelli und Heppelmann in Andalusien.  Foto: Helmut Seuffert

Hinterher geniert man sich ein wenig, weil man dermaßen gelacht hat - über so einen Quatsch: „Das andalusische Mirakel“, eine große Verwicklung in der Komödie Frankfurt.

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Zwei immergrüne Kintopp- und Komödien-Motive werden hier ineinandergesteckt: Der auch dem Gespenstischen, aber diesmal dem Komödiantischen behilfliche Körpertausch und die lebensnahe, im Leben gleichwohl niemals vorkommende Situation des extrem unfreiwillig geteilten Hotelzimmers. Weil beides natürlich schöner Blödsinn ist, erklären Lars Albaum und Dietmar Jacobs, sonst auch getrennt für Fernsehen, Theater sowie Kabarett tätig, es kurzerhand zum katholischen Wunder. Denn dann ist freilich vieles möglich, auch: „Das andalusische Mirakel“. Weder Albaum und Jacobs noch an der Frankfurter Komödie jetzt Regisseur Manfred Langner tun so, als sei das ein filigraner Fall. Vielmehr tragen sie meterdick auf. Recht so.

Aus unterschiedlichen Gründen landen Toilettensitzhersteller Heppelmann und Studentin Nelli in einem spanischen Kaff an. Das einzige freie Zimmer ist ein Debakel, Barbara Krott (Bühne und Kostüme) führt das genießerisch aus. Man riecht es geradezu.

Während Nelli und Heppelmann, Kim Zarah Langner und Michael Hiller, noch um das surfbrettharte Bett streiten – das heißt: Heppelmann streitet, Nelli quietscht und plappert –, kommt es im Zuge des andalusischen Mirakels zum Körpertausch. Das ist nicht nur eine Formalität. Langner adaptiert sofort Stimmlage und primatenhafte Gangart des Muffbolds, während Hiller gickelt und den Hula-Hoop-Reifen um die imaginäre Taille kreisen lässt. Schon beim Versuch, im 1x2-Meter-Bad zu übernachten, hat er seine Elastizität unter Beweis gestellt.

Das könnte schon reichen, reicht aber noch nicht. Während der ambitionierte katholische Portier, Tino Leo, versucht, den Papst ans Telefon zu bekommen, erscheinen Heppelmanns Ex-Frau in spe und Nellis Lebensabschnittsgefährte, Stephanie Theiß und Raphael Grosch, auf der Bildfläche. Nach den üblichen Missverständnissen geht es Richtung Erkenntnis: Dass nämlich Herr Heppelmann nicht mit einer Frau in flagranti ertappt worden ist und auch nicht seine homosexuelle Seite entdeckt hat – weil Nelli, Sie verstehen, in ihm steckt und sich so über die Ankunft ihres Sonnyboys freut –, sondern sich im Körper der netten jungen Frau befindet. Unglauben, Geschrei. Dann, so ist der Mensch, stellen sich alle langsam auf die Lage ein. Und nun sind es doch Albaum und Jacobs, die nicht aufs Ganze gehen (wie einst Billy Wilder am Ende von „Manche mögen’s heiß“) , sondern die Situation im bürgerlichen Sinne glimpflich auflösen.

Das Publikum muss übrigens das spanische Volk spielen. Ist aber lustig, wird allerdings sicher schwieriger, wenn nicht mehr zufälligerweise der Schauspieler Steffen Wilhelm im Publikum sitzt und wenigstens den Mechaniker Antonio übernehmen kann.

Hinterher geniert man sich ein wenig, weil man dermaßen gelacht hat. Über so einen Quatsch. Es war aber bekömmlich.

Komödie Frankfurt: bis 17. März. www.diekomoedie.de

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