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Krimi: Zu arglos für diese Welt

Eine große Tragödie, die sich als kleiner, lakonischer Krimi tarnt: "Der Fahrer" von Andrew Vachss.

Andrew Vachss, der Anwalt mit der schwarzen Augenklappe, hatte immer eine Botschaft: Täter werden nicht geboren, Täter werden gemacht. Wie er sein Anliegen in mit Gewalt und gewalttätigem Sex randvollen Texten unters Volk brachte, war umstritten: Denn sein als Kind missbrauchter Serienheld Burke räumt auf unter Kinderschändern, das Gesetz stört ihn dabei nicht. Ein Anwalt, der sich in seinen Krimis für Selbstjustiz auszusprechen scheint, das kann man zu Recht problematisch finden.

Jetzt hat der Rowohlt-Verlag einen Vachss-Roman aus dem Jahr 2003 übersetzen lassen, der einen ganz untypisch zarten Ton hat. Ich-Erzähler Eddie möchte eigentlich nur eins im Leben: ein exzellenter Fahrer sein, Autos tipptopp pflegen. Er ist ein Unschuldiger, ein guter Junge, er ist eigentlich zu arglos für diese, für seine Welt. Auf der sprichwörtlichen schiefen Bahn landet er, weil sein außergewöhnliches Talent nur von Gaunern nachgefragt wird, die einen Fluchtfahrer brauchen.

Das Buch

Andrew Vachss: Der Fahrer. Aus dem Englischen von Georg Schmidt. Rowohlt Taschenbuch Verlag 2008, 224 Seiten, 8,95 Euro.

Eins kommt schnell zum anderen, er klaut ein Auto, wird erwischt, und weil er in der Gefängnishierarchie nicht ganz unten landen will (selbst ihm ist klar, was das bedeutet), bestätigt er vor Gericht, er habe Widerstand geleistet gegen die Festnahme. Dabei hat die Polizei ihn grundlos zusammengeschossen und -geschlagen. Eddie lernt, dass man als "Kid" im Gefängnis einen Beschützer braucht. Eddie lernt, dass man keine Schwäche zeigen darf. Und als er rauskommt, kann es nur weiter bergab gehen.

Vachss schreibt aus Erfahrung, er hat einen US-Jugendknast geleitet, als Anwalt vertritt er Kinder und Jugendliche. Er weiß, wie sie denken und reden. In "Der Fahrer" tritt er gleichsam zurück und schreibt es auf, als schriebe es sich von selbst auf. In den knappen, herzzerreißend coolen Sätzen eines jungen Mannes, der zwar Autos knackt wie andere sich eine Flasche Bier öffnen, sich aber umstandslos täuschen und missbrauchen lässt. Man liest zwischen den Zeilen und sieht das Unheil kommen für diesen reinen Toren. "Der Fahrer" ist große Tragödie, die sich als kleiner Krimi tarnt.

Autor:  SYLVIA STAUDE
Datum:  12 | 8 | 2008
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