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Krimiautor Qiu Xiaolong: Der rote Rätsler

und sich entschied, als Promotionsstudent in den USA zu bleiben. Seine Frau konnte noch im gleichen Jahr nachziehen.

Erst sechs Jahre später, als Qiu bereits US-Staastbürger war, traute er sich zurück nach Shanghai - und erkannte seine Heimatstadt kaum wieder. "Das Lebensgefühl hatte sich völlig verändert", meint Qiu. Um sich über die Veränderungen klar zu werden, begann er einen Roman zu schreiben - und

scheiterte. "Ich fand keine geeignete Form", gesteht er. "Aber dann bin ich auf die Idee gekommen, das Schema einer Detektivgeschichte zu übernehmen und meine Beobachtungen darin zu verpacken."

Da seine Bücher zunächst ohnehin für amerikanische Leser gedacht waren, begann Qiu auf Englisch zu schreiben, ein sprachlicher Umweg, den er bis heute noch immer geht. Zwar meldete sich nach seinen ersten Erfolgen auch ein Shanghaier Verlag bei ihm, um die Chen-Krimis auf Chinesisch herauszubringen. Doch Qiu bemerkte schnell, dass bei chinesischen Lesern nur eine politisch zurechtgestutzte Form seines Buches ankommen würde. "Die Zensoren forderten, dass die Handlung nicht in Shanghai oder einem anderen realen Ort spielen dürfe, sondern nur in einer fiktiven "Stadt H", erzählt er. Auch Hinrichtungen, die in Qius Büchern wie in China üblich unmittelbar nach dem Urteil ausgeführt werden, mussten in der chinesischen Version aufgeschoben werden - in der Literatur soll der Rechtsweg eingehalten werden.

Drei beschnittene Chen-Romane sind inzwischen trotzdem in China erschienen. Allerdings kamen sie nur in kleinen Auflagen auf den Markt und wurden nicht nachgedruckt. So kommt es, dass im chinesischen Internet eine Suchanfrage nach Qiu Xiaolong nicht zuerst auf den Schriftsteller verweist, sondern auf einen 18-Jährigen gleichen Namens, der im März dieses Jahres in einem Gefängnis in Hunan totgeschlagen wurde. Wenn das nicht ein Plot für Oberinspektor Chen Cao ist!

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Autor:  Bernhard Bartsch
Datum:  8 | 10 | 2009
Seiten:  1 2
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