So, und warum sollte uns das interessieren? Ganz einfach, Mike Daisey ist ein begnadeter Performer, ein großartiger Erzähler und ein hartnäckiger Ermittler. Und er ist ein politischer Kopf, wie sein Monolog über Steve Jobs beweist. Denn er beschäftigt sich nicht so sehr mit der Person des Apple-Gründers, als vielmehr mit den ökonomischen und moralischen Schattenseiten seines weltumspannenden Imperiums. Dazu hat Daisey auch eine Produktionsstätte von Apple in der chinesischen Sonderwirtschaftszone Shenzhen besucht. Kein ungefährliches Unterfangen.
Ohne behördliche Genehmigung führte der Amerikaner zahlreiche Interviews vor den Werkstoren von Foxconn, jenes riesigen Fabrikmolochs, über den man sich im letzten Jahr kurz empörte – wegen der menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und der vielen Selbstmorde von zumeist minderjährigen Arbeitern. Foxconn produziert übrigens nicht nur für Apple, sondern auch für andere Konzerne, etwa HP, Dell, Intel, Samsung, Nokia... Daisey hatte Glück, er blieb unbehelligt. Seine Erlebnisse stellte er im September 2010 erstmals auf dem TBA-Festival von Portland vor.
Der Künstler hat sich von dem Tod Steve Jobs’ nicht beirren lassen. Daiseys Geschichten sind erschütternd, so erzählt er etwa von dem 12-jährigen Mädchen, das Handydisplays poliert, oder dem Mann, dem die Hand durch Überbeanspruchung zu einer Klaue verwuchs. Steve Wozniak, der Mitbegründer von Apple, gab in der New York Times zu Protokoll, dass er mit den Tränen gekämpft habe: „Nach dieser Aufführung werde ich nie wieder derselbe sein.“ Es wird allerdings auch von Apple-Fans berichtet, die vollkommen empört sind über so viel Gotteslästerung – oder Leichenfledderei.
Wie auch immer: Würde ein solches Theater auch hier funktionieren? Ob sich wohl jemand traute, Mike Daisey nach Deutschland einzuladen?
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