Der deutsche Kulturstaatsminister Bernd Neumann teilt nach der jüngsten Haushaltsberatung begeistert mit: wichtiges Signal! Die Kulturausgaben steigen erneut. Und der Berliner Kulturstaatssekretär strahlt: Die Kultur wächst 2012 auf hohem Niveau. Die Kulturwelt nimmt es dankbar zur Kenntnis – aber war da nicht was? Eine Welt, die gerade im Schuldenstrudel versinkt? Knapp 2.000 Milliarden Staatsschulden wirft Deutschland auf die Waage, 60 Milliarden schiebt die Hauptstadt vor sich her. Üben sich hier Kulturfunktionäre in sorgloser Prasserei?
Deutschlands Kultur hat weniger als ein Prozent
Nein. Bund, Länder und Kommunen geben zusammen acht Milliarden Euro für Kultur aus – das sind nur 0,8 Prozent des Bundeshaushalts. Dafür spielen Theater, öffnen Museen, entstehen Filme, entwickelt sich eine freie Szene. Und kaum einer kann sich damit ein fettes Leben gönnen: Das Durchschnittseinkommen der freiberuflichen Künstler – und das ist immerhin jeder zweite – liegt bei lachhaften 12.000 Euro im Jahr. Dennoch geht es der Kultur vergleichsweise prächtig in Deutschland. Einzig Frankreich steigert auch in Krisenzeiten die Kulturausgaben auf 7,5 Milliarden Euro.
Italien lässt Pompeji verrotten
Doch nicht nur Summen machen den Unterschied, sondern vor allem das kulturelle Selbstverständnis. Italien würde am liebsten alles privatisieren, lässt sogar eine antike Stadt wie Pompeji verrotten, ihre Subventionen versumpfen und hat seine Fördermittel radikal von 7,5 auf 4,8 Millionen gekappt. Großbritannien, wo sich die Kultur immer schon an Sponsoren halten musste, verteilte die Gelder um und kürzte um ein Drittel: Es gibt 520 Millionen Euro weniger. Von all den Milliarden aus Europa, die in diesem Jahr nach Griechenland fließen, wird kein Cent die Kultur retten – das Land gibt offiziell nur 350 Millionen für diesen Sektor aus, weniger als das Land Berlin, die Bundesmittel nicht mitgerechnet.
Und in den Niederlanden tut die rechte Regierung Kulturförderung als „linkes Hobby“ ab (bw.).
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