Und die Schuldenspirale dreht sich immer weiter. Im Menschheitslabor Las Vegas wird eine anthropologische Tiefenschicht freigelegt: Der Mensch ist ein Verdränger und Zerstörer. Wo er auch hinkommt, verursacht er Kosten: ökonomisch, ökologisch, moralisch. Doch unterscheidet sich die kapitalistisch-konsumistische Lebensform von allen anderen dadurch, dass sie ihm die Rechnung präsentiert.
Das immerhin ist ehrlich, schließlich hat die Freiheit ihren Preis. Wenn er doch nur nicht so monströs wäre, dass nichts anderes bleibt, als ein Leben auf Pump. Freiheit per Kreditkarte – da ist der Betrug nicht weit.
Zahlungsunfähigkeit und Innovationsdruck
Das alles ist allerdings kein Grund, die Nerven zu verlieren. Wer es auf die totale Party geschafft hat, lässt Verlust und Schulden hinter sich. Von Michael Hudson stammt die geldpolitisch wie -moralisch anspruchsvolle Einsicht, dass Schulden, die nicht bezahlt werden können, keine Schulden sind.
Als beinahe Einziger sagte der Ökonom bereits 2006 den Kollaps des amerikanischen Immobilienmarktes genau voraus; in der daraus folgenden weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise sieht er nunmehr die Vorboten eines ganz großen Crashs, der zu einer vollkommenen Neuverteilung der Reichtümer führen kann. Das kann er nur in Las Vegas gelernt haben.
Denn Zahlungsunfähigkeit und Innovationsdruck lassen im Wüstenparadies die Sprengkommandos anrücken. Sie legen die verblichenen Renditepaläste in Schutt und Asche.
Der große Crash nach dem Cash: Zuletzt wurde das traditionsreiche „New Frontier“ am 17. November 2007 fachgerecht zerlegt, und zwar, wie es bei solchen Anlässen guter Brauch ist, nach einem pompösen Abschiedsfeuerwerk. Das Feuerwerk steht am Ende und am Anfang von allem. Jeden Tag wieder aufs Neue.
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