Frankfurt/Main. Zum Schreiben kam sie eher zufällig. Eigentlich wollte Cornelia Funke als Zeichnerin arbeiten. Aber viele Geschichten, die sie illustrieren sollte, gefielen ihr nicht - so dachte sie sich schließlich selber eine aus. Ihr erstes Buch veröffentlichte sie 1988 mit 30 Jahren. Am 10. Dezember wird die bekannteste deutsche Kinder- und Jugendbuchautorin 50; fast 60 Geschichten hat sie inzwischen verfasst, darunter auch international erfolgreiche wie "Herr der Diebe" oder die "Tinten"-Trilogie.
Als "Spionin der Kinder in der Welt der Erwachsenen" sieht sich Funke selbst. "Oft lasse ich mir die Geschichten von meinen Figuren ins Ohr flüstern, dann sitzen sie schon auf meinem Computer, wenn ich morgens reinkomme", erklärte sie. Meist arbeitet die Schriftstellerin an mehreren Büchern gleichzeitig; in den ersten Jahren illustrierte sie ihre Werke auch selbst.
Die Liebe zu Büchern entdeckte Cornelia Funke schon in ihrer westfälischen Heimat: Als Kind war sie Stammgast in der Dorstener Stadtbibliothek, die auf Stelzen gebaut war und wie ein Baumhaus aussah. Ihre Eltern - der Vater war Rechtspfleger, die Mutter Hausfrau - unterstützten die Leselust der Tochter und schenkten ihr einen Bücherkoffer - als Motiv taucht dieser Koffer später in "Tintenherz" auf: Der Protagonist Mo baut seiner Tochter Meggie eine Bücherkiste.
Nach dem Abitur 1977 studierte Funke in Hamburg Pädagogik und machte eine Ausbildung als Buchillustratorin. In dieser Zeit lernte sie auch ihren Mann Rolf kennen, den sie 1981 heiratete. 1989 kam Tochter Anna zur Welt, 1994 Sohn Ben. Knapp ein Jahr nach dem Umzug der Familie nach Los Angeles 2005 starb Funkes Ehemann an Krebs - ein großer Verlust für die Schriftstellerin, auch weil Rolf ihr jahrelang den Rücken freigehalten und sich um Haushalt und Kinder gekümmert hatte.
Seit gut drei Jahren lebt Funke in den USA
Ihre Vorliebe für englischsprachige Literatur und die amerikanische Lebensweise hatte Cornelia Funke nie verhehlt. "Ich bin hoffnungslos anglophil", hatte sie schon früh erklärt. Ihr 2000 erschienenes Buch "Herr der Diebe" ließ sie von ihrem Vetter auf eigene Kosten ins Englische übersetzen. "The Thief Lord" landete im Herbst 2002 auf Platz 2 der Bestsellerliste der "New York Times".
Warner Brothers erwarben die Filmrechte. Funke unternahm mehrere Lesereisen in die USA und fühlte sich dort gleich sehr wohl. Ihre "Tinten"-Trilogie - "Tintenherz" (2003), "Tintenblut" (2005) und "Tintentod" (2007) - kam fast zeitgleich in Deutschland, den USA, England, Australien und Kanada auf den Markt.
Längere Aufenthalte in Kalifornien und der zunehmende Erfolg ihrer Bücher in den USA verstärkten den Entschluss, dorthin überzusiedeln.
Die Entscheidung hat Cornelia Funke bisher nicht bereut. In den USA sei sie glücklicher als in Deutschland, wo sie sich "wie ein rosa Kaninchen in einer Schar weißer Hasen" gefühlt habe, sagte die Autorin im vergangenen Jahr in einem Interview. "Ich hatte eine andere Einstellung zum Leben als die meisten anderen, wollte mehr riskieren, vieles anders machen", erklärte sie.
"Tintenherz" kommt in die Kinos
Gleichwohl hält sich Cornelia Funke regelmäßig in Deutschland auf; Ihre Erfolgsserie über eine Mädchenbande - "Die Wilden Hühner" - wurde hier verfilmt; sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihre Arbeit, darunter den "Corine"-Buchpreis (2003) und in diesem Jahr das Bundesverdienstkreuz und den Medienpreis "Bambi".
Das Magazin "Time" zählte Funke 2005 zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt. Ihre Bücher sind inzwischen in 37 Sprachen in mehr als 40 Ländern erschienen. An Aufhören denkt die Vielschreiberin trotz zahlreicher anderer Projekte nicht: "In meinem Kopf stecken so viele Ideen, dass ein Leben wohl kaum ausreichen wird, um sie alle aufzuschreiben", erklärte sie kurz nach Erscheinen von "Tintenherz". Die Verfilmung dieses Buches kommt übrigens am Donnerstag in die Kinos - einen Tag nach Cornelia Funkes 50. Geburtstag. (ap)
Hildegunde Latsch: "Cornelia Funke. Spionin der Kinder", Dressler, November 2008, ISBN 978-3-7915-2900-4, 14,90 Euro
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