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Literatur im Römer: Diesmal mit Nobelpreisträgerin

Kann man im Lotto gewinnen, ohne zu spielen? Ja, sagt Herta Müller. Die diesjährige Literatur-Nobelpreisträgerin sorgte dafür, dass die Lesung Literatur im Römer noch voller war als sonst.

Herta Müller sorgte bei der diesjährigen Lesung Literatur im Römer für Menschenaufläufe.
Herta Müller sorgte bei der diesjährigen Lesung "Literatur im Römer" für Menschenaufläufe.
Foto: dpa

Als Herta Müller vorgestellt wird, will der Applaus vorerst nicht mehr enden. Dass er irgendwann fast wie im Sportstudio klingt, ist kein Zufall. Moderator Gerwig Epkes hat es geschickt darauf angelegt, indem er bat, bloß nicht zu klatschen, wenn Herta Müller auf die Bühne tritt, sondern erst dann, wenn die Radioübertragung beginnt. Jetzt muss was raus. Dazu die Freude darüber, dass Herta Müller da und wohlauf ist. Meldungen vom Montagabend, sie sei zusammengebrochen, bezeichnet sie allerdings als Sensationsgier. Sie habe sich lediglich den Magen verdorben. Zweimal muss sie aufstehen, damit der Beifall wieder aufhören kann, sie lächelt, zieht die Schultern hoch, das macht es nur noch schlimmer.

Die wie üblich auf zwei Abende mit je acht Buchvorstellungen verteilte Veranstaltung "Literatur im Römer" wird durch andere Langlesungen zur Frankfurter Buchmessenzeit - seit diesem Jahr auch im Kunstverein schräg gegenüber, bei "Open Books" - offenbar nicht beeinträchtigt. Minuten nach Öffnung des Saals ist dieser knallvoll und füllt sich bereits der Nebensaal auf, in dem via Bildschirm zusehen kann. Das ist nicht nur, aber erst recht so, wenn eine Nobelpreisträgerin kommt.

Zu diesem Thema meinte Herta Müller: "Man kann im Lotto gewinnen, ohne zu spielen." Tatsächlich? Sie schildert, wie sie sich in "Atemschaukel" an Oskar Pastior "entlanggeschrieben" habe. Als Moderatorin Sigrid Löffler sie auf die verschwindende Welt der Rumäniendeutschen anspricht, weist sie auf ihr gebrochenes Verhältnis zu dieser Minderheit hin, aus der sie selbst kommt. "Ich habe nichts zu vertreten", sagt sie. Und wie geht es ihr jetzt? "Ich hoffe, das wird in zwei, drei Wochen wieder normal." Sie lächelt, die Herzen fliegen ihr zu.

Anschließend geht es wie am Schnürchen. Feridun Zaimoglu ("hinterland") wird von Löffler als mögliches Beispiel für gelungene Integration vorgestellt: "vom Krawalltürken zum deutschen Romantiker". Er rät aber davon ab, sich ein Vorbild an ihm zu nehmen. Finn-Ole Heinrich, Jahrgang 1982, hat "Gestern war auch schon ein Tag" dabei, hält Tabus für etwas sehr individuelles und berichtet: Bis 17 habe er sich überhaupt nicht für Bücher interessiert, dann zufällig eins gelesen, "ich fand es toll". Bis heute sei es aber so, dass er lieber schreibe als lese. Ingeborg-Bachmann-Preisträger Lutz Seiler, der zwei Handwerkslehren hinter sich und "Die Zeitwaage" dabei hat, spricht über seine bis heute währende Vorliebe für gutes Werkzeug.

Terézia Mora ("Der einzige Mann auf dem Kontinent") eröffnet, dass sie mit einem Informatiker verheiratet ist. Er bringt seine Freunde mit nachhause, darum weiß sie so viel über die Welt ihres Romanhelden. Sie äußert sich ferner kenntnisreich über "Komponenten für drahtlose Netzwerke". Ernst-Wilhelm Händler erzählt, "Welt aus Glas" handle auch deshalb von Glaskunst, um nicht von modernen Künstlerstars handeln zu müssen. Diese beeindrucken ihn nicht. Er sei sich nicht sicher, wer besser male, Peter Doig oder Robbie Williams. Es geht also um Literatur, aber auch Kenntnisse und Geschmacksurteile verschiedener Art. Das leuchtet nicht immer ein, aber es hilft beim Sortieren. Etliche Zuhörer machen sich Notizen, was und wo sie nun weiterlesen wollen.

Autor:  Judith von Sternburg
Datum:  14 | 10 | 2009
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