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Marcia Pally schreibt: Alaska - das Tal der Ahnungslosen

Ich bin wirklich sehr schockiert. Was soll nur die ganze Aufregung um Sarah Palin? Da hat der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain endlich einmal ganz spontan, geradezu impulsiv entschieden, nämlich eine Frau als Vize zu benennen, und schon geht das Geraune los. Was aber soll daran falsch sein, wenn sich ein Politiker, der vielleicht einmal der Welt größte Armee befehligen wird, eine spontane Entscheidung zutraut?

An Frau Palin kann es nicht liegen. Sie wird, sollten die Republikaner die Wahl gewinnen, nur einen Herzschlag vom Oberbefehl über unser nukleares Waffenarsenal entfernt sein. Und dafür ist sie, die sich auf dem republikanischen Parteitag einen Pitbull mit Lippenstift nannte, gut vorbereitet. Immerhin verfügt Palin über zwei Jahre Erfahrung als Gouverneurin in Alaska, in einem Staat also, der so viel Einwohner hat wie in meinem New Yorker Wohnblock leben. Außerdem weiß sie, wie man auf die Jagd geht, und sie ist gegen ein Verbot von Schusswaffen. Braucht es denn mehr Erfahrungen, um der Nationalen Sicherheit zu dienen? Wer noch Zweifel hat, den mag vielleicht ihr Statement zum Krieg in Irak überzeugen: Dieser geschehe "im Auftrag Gottes", erklärte sie jüngst. Aber ja doch, wenn es jemanden gibt, der weiß, was er tut, dann dürfte zweifellos Er, der Allmächtige es sein.

Sobald Palin im Amt ist, könnten sich allerdings noch die Republikaner wundern. Die Parteioberen erklärten, Palin zuvor vom FBI überprüft zu haben. Das FBI erklärte indes, nicht für die Überprüfung von Präsidentschaftskandidaten zuständig zu sein… McCains Leute haben auch mit niemandem in Alaska gesprochen, weder mit den örtlichen Regierungsbehörden noch mit den Wirtschaftsvertretern. Mit gar keinem. Das hat jedenfalls der Vorsitzende der Republikanischen Partei in Alaska und Bürgermeister von Juneau - so heißt die Hauptstadt dort - klargestellt: Bruce Botelho weiß von nichts.

Juneau ist übrigens die einzige Hauptstadt eines Bundesstaats der USA, die keine Straßenanbindung hat und nur per Flugzeug oder Schiff erreichbar ist. Aber egal - was die Republikaner an Sarah Palin interessiert haben dürfte ist, dass sie eine Reformerin ist. Zumindest gilt die Lady aus Alaska als solche. Und mag sie jetzt auch ein wenig Probleme haben, weil ihr ein Untersuchungsausschuss wegen Amtsmissbrauch im Nacken sitzt: McCain dürfte das nicht weiter kümmern. Denn er kann sich jetzt mit einer kampfeslustigen, rhetorisch überaus begabten und vor allem weiblichen Kandidatin seinem Wahlvolk präsentieren. Eine Frau, die zudem noch hinreichend viele konservative, eben echt republikanische Standpunkte vertritt.

Sarah Palins Kandidatur zielt insofern auf noch unentschlossene Demokraten und verunsicherte Republikaner. Was letztere angeht, stellt sich allerdings die Frage, was die sonst außer republikanisch hätten wählen sollen.

Übersetzung: Christian Schlüter

Datum:  6 | 9 | 2008
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