Eine arabische Website lieferte wohl die beste Reaktion auf den Wahlsieg von Barack Obama: "Schwarzer Mann übernimmt den miesesten Job auf der ganzen Welt". Das ist wohl wahr. Obama hat sich einiges aufgeladen: All das, was ein Präsident ohnehin zu bewältigen hat, und dann noch die Wirtschaftskrise.
Nehmen wir nur die Autoindustrie. Ein Großteil der Amerikaner hofft, dass Obama, noch bevor er das Präsidentenamt antritt, ihren Niedergang aufhalten wird - was für ein frommer Wunsch! Immerhin hat Obama vorgeschlagen, von den 700 Milliarden Dollar für die Rettung der Banken könnte auch etwas für die Autobauer abgezweigt werden; auf diese Weise will er drei Millionen Amerikanern ihre Arbeitsplätze sichern. George W. Bush wollte dagegen nur den Banken helfen. Vielleicht hatte er Recht damit
Denn warum sollten wir der Autoindustrie helfen, die sich unter rein kapitalistischen Gesichtspunkten nicht besonders gut geschlagen hat? Die erste Regel im Kapitalismus lautet: Behaupte dich am Markt. Wenn wir also koreanische Autos bevorzugen, weil sie sehr viel sparsamer im Verbrauch sind, dann sorgt der Markt dafür, dass solche Autos gebaut werden. In unseren Fabriken werden dagegen immer noch Kraftprotze wie der Hummer hergestellt. Das ist schlechter Kapitalismus.
Aber gut. Wir helfen unseren Autobauern also aus der Patsche. Das führt uns geradewegs zur zweiten Regel des Kapitalismus: Wenn du der Bank 100 Dollar gibst, dann ist das dein Problem; aber wenn du ihr 100 Millionen Dollar gibst, dann ist es das Problem der Bank. Und: Wenn du 300 Arbeiter entlässt, dann ist es ihr Problem; entlässt du aber drei Millionen
Dritte Regel des Kapitalismus: Wenn der Staat beim Markt interveniert, dann nenne es niemals Intervention. Eigentlich möchte Obama, dass unsere Autos sparsamer werden. In der Tat, das wäre keine Intervention, sondern sollte ein Beitrag zu mehr Wettbewerbsfähigkeit sein.
Wie auch immer. In kapitalistischer Hinsicht hat sich bei uns noch nicht viel geändert. Das Einzige bisher: Amerika ist multikultureller als je zuvor. Ein neues Schild vor dem Schnellrestaurant bei mir um die Ecke verspricht: "Alle unsere chinesischen Speisen sind halal" - also nach islamischem Recht zulässig.
Übersetzung: Christian Schlüter
Von Marcia Pally ist jüngst erschienen: "Die hintergründige Religion. Der Einfluss des Evangelikalismus auf Gewissensfreiheit, Pluralismus und US-amerikanische Außenpolitik" (Berlin University Press)
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