Zur Weihnachtszeit denken wir, wenigstens einmal im Jahr, an das Versprechen der Wiedergeburt. Doch in Amerika gibt es diesmal ein Problem damit. Vergessen wir einfach mal die große Finanzkrise. Als bekannt wurde, dass Senator Edward Kennedy (der Bruder des berühmten JFK) an einem Hirntumor erkrankt ist, hatten wir auf einmal den Tod zu gewärtigen - nicht etwa das Leben. Schlimmer noch: Wir mussten befürchten, zum ersten mal seit einem halben Jahrhundert, dass Senat kein Kennedy sitzen würde.
Doch ein Heiland ist uns erschienen! Caroline Kennedy ist über uns gekommen, geboren von Jackie, der elegantesten, wenn nicht jungfräulichsten Frau, seitdem die Jungfrau Maria die drei Weisen in einem Stall empfing. Caroline könnte im Senat den Platz von Hillary einnehmen, dafür sorgen, dass ein Kennedy auch in den Kongress einzieht, und ganz nebenbei mit ihrer glamourösen Familie wieder etwas Glanz in den schmuddelige Staat New York bringen. Nicht unerwähnt lassen sollten wir, dass ihre Familie über ein beträchtliches Vermögen verfügt.
Auch New Yorks Governeur David Peterson macht sich schon Hoffnungen. Denn wenn die Demokraten 2010 sowohl in den Senat wie auch in den Kongress einzögen, dann könnte sein blasser Name neben dem eines Kennedy stehen, etwas, das ihn, der bislang eher den Ruf eines Weihnachtsesels weghat (fleißiger Arbeiter, aber immer übersehen), enorm aufwerten würde.
Einige unbelehrbare Kritiker haben angemerkt, dass Caroline nicht über die ausreichend Erfahrungen verfügt, um in die Politik zu gehen: Sie habe zwar schon einigermaßen erfolgreich Geld für New Yorks Schulen gesammelt, aber das sei eben nicht genug, wenn es um das harte politische Geschäft geht. Ob das ein gutes Argument ist? Immerhin hatte Sarah Palin auch keinen blassen Schimmer von der großen Politik, aber den Republikanern erschien sie wie der Heiland persönlich. Wäre nicht die Finanzkrise gewesen, sie hätte ihre Partei von allen Leiden erlöst - mit ihr hätte man die Wahl gewonnen!
Schauen wir also auf das Ganze, dann entdecken wir einen neuen Trend: Nicht nur mit Barack, sondern auch mit Caroline und Sarah haben große messianische Hoffnungen in die Politik Einzug gehalten, geschlechterübergreifend zudem!
Übersetzung: Christian Schlüter
Von Marcia Pally ist jüngst erschienen: "Die hintergründige Religion. Der Einfluss des Evangelikalismus auf Gewissensfreiheit, Pluralismus und US-amerikanische Außenpolitik" (Berlin University Press).
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