Florida wird regelmäßig von Hurricans heimgesucht, New York eigentlich nie. Doch ich musste ausgerechnet an dem Tag von New York nach Orlando fliegen, an dem der erste Hurrican seit dem Jahr 1938 über die Stadt fegte.
Mein Flug verspätete sich erst um eine Stunde. Dann um drei. Schließlich wurde er abgesagt. Tausende von Menschen hielten sich am Flughafen auf, es bildeten sich lange Schlangen vor den Schaltern - Flüge mussten umgebucht oder storniert werden.
Um Mitternacht kam ich auf eine Warteliste für die Flüge am Morgen. Die Frau am Schalter versicherte mir, sie hätte große Hoffnung und würde fest daran glauben. Nun, ich war auf dem besten Wege, Atheistin zu werden.
Über eine Hotel-Hotline besorgte ich mir ein Zimmer, das - als ich im Hotel ankam - nicht existierte. Hunderte von Menschen bevölkerten die Lobby, es bildeten sich Schlangen, Zimmer mussten umgebucht werden
Wodka im 0,3 Liter-Glas
Die Concierge aber bewahrte die Ruhe und blieb freundlich, ihr früherer Beruf sei, vertraute sie mir an, Betreuerin für zwei Jahre alte Kinder gewesen. Dann machte sie äußerst großzügig mein 0,3-Liter-Glas mit Wodka voll.
Zurück am Flughafen, sechs Uhr morgens. Ich stellte mich an, war an sechster Stelle, dann an fünfter, vierter, dritter Um 9.30 Uhr erhielt ich endlich meine Bordkarte. Mein Glaube kehrte allmählich zurück.
Aber dann geschah es, mein Platz war bereits reserviert, jemand hatte sich beim Einchecken nur unendlich viel Zeit gelassen und sich also verspätet. Ich also wieder raus aus dem Flugzeug. Es gibt keine Gerechtigkeit. Gott ist tot.
Beim nächsten Flug war es genauso. Zwar waren am Vortage Hunderte von Flügen gestrichen worden, aber offenbar war keine der Fluglinien auf die Idee gekommen, neue Flüge anzubieten. Für uns Gestrandete eine schwere Prüfung.
Moses ging 40 Jahre lang durch die Wüste, am John F. Kennedy-Flughafen könnte es vielleicht auch so lange dauern.
Dann aber fielen mir die geheiligten Worte ein: Besorge dir einen Berater, einen echten Auskenner, einen Checker, einen Engel am Ticketschalter. Den fand ich dann auch und bekam den Hauptgewinn - einen reservierten Sitz, und das sogar in einem überbuchten Flugzeug.
Endlich, ich hatte den heiligen Gral gefunden. Lasse dich niemals auf einer Warteliste eintragen, sprach der Engel zu mir, aber reserviere dir immer einen Sitzplatz, selbst wenn das Flugzeug bereits überbucht ist und dieser Sitzplatz eigentlich gar nicht existiert.
Musste ich seine Worte verstehen? Hauptsache, es funktionierte. Die Amerikaner befürchten das Schlimmste, weil Obama einige Teile unseres Gesundheitssystems in die Obhut des Staates zurückführen möchte. Der Staat gilt den meisten als inkompetent. Aber läuft es in der privaten Wirtschaft wirklich besser?
Übersetzung: Christian Schlüter
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