Deutschland ist ein sexistisches Land. Ich weiß das, denn als die unverheiratete Bischöfin Margot Käßmann des Nachts bei Rot über die Ampel fuhr, bestand der Skandal auch darin, dass in ihrem Auto ein Mann saß - mit dem sie nicht verheiratet war. Bei uns ist das selbstverständlich anders: Im konservativen South Carolina zum Beispiel konnte Nikki Haley im Kampf um die Aufstellung als Kandidatin für die Gouverneurswahlen einen Sieg verbuchen, obwohl ihr mehrfacher Ehebruch vorgeworfen wurde.
Gepriesen sei der Feminismus! Falls ich jemals Zweifel gehabt haben sollte - sie sind allesamt verschwunden. Jetzt dürfen Frauen endlich genauso unmoralisch sein wie die Männer, und sie kommen damit ebenso wie die Männer davon. Genau das meinen wir, wenn wir vom Fortschritt der Zivilisation sprechen.
Die entscheidende Frage aber lautet jetzt: Können erfolgreiche Frauen auch Demokratinnen sein? Ich meine, sich seinem Ehemann gegenüber vollkommen schäbig und herzlos zu verhalten, ist eine Sache, eine andere Sache aber ist es, als republikanische Politikerin zu reüssieren. In Amerika sind fast alle siegreichen weiblichen Kandidaten - angefangen von Kaliforniens klassisch wirtschaftsfreundlicher Meg Whitman bis hin zu Nevadas populärer Tea-Party-Heroine Sharron Angle - für die Grand Old Party, also die Republikaner angetreten. Sarah Palin nennt sie stolz ihre "Mama Grizzlies".
Grizzlybärenmutter? Die amerikanischen Medien waren entsetzt. Entsetzt! Feminismus stand doch einmal für gesellschaftlichen Fortschritt. Weibliche Politikerinnen können doch gar nicht konservativ sein.
Es ist in der Tat schockierend. Meinten wir doch zu wissen, dass alle Frauen dasselbe denken - nämlich progressiv. Kümmern wir uns nicht weiter darum, dass auch Angela Merkel einer konservativen Partei angehört. Frauen denken doch anders, nämlich mit ihren Eierstöcken, anders als bei den Männern steht ihnen die volle Bandbreite des Denkens nicht zur Verfügung (Männer denken ja bekanntlich nicht mit ihren Geschlechtsorganen). Erinnert sich noch jemand an Maggie Thatcher? Die war auch eine Konservative. Genauso wie Condoleezza Rice, die außerdem noch eine Schwarze war.
Das ist unannehmbar - unmöglich! Ich stehe da ganz auf Seiten der progressiven Presse. Die ist mit Gewissheit nicht sexistisch, wenn sie davon ausgeht, dass Frauen so fortschrittlich sein sollten wie sie selbst.
Übersetzung: Christian Schlüter
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