Die Demokraten werden auf ihren Parteitag in Denver einen Politiker nominieren, von dem die Europäer sich wünschen, dass er der nächste US-Präsident sein wird. Doch Vorsicht, noch hat sich Amerika nicht für Barack Obama entschieden. Der Vorsprung gegenüber John McCain ist kleiner geworden. Der Republikaner konnte seine Stellung vor allem bei den weißen, männlichen, gläubigen (protestantisch oder evangelikal), wohlhabenden (mehr als 75 000 Dollar Jahreseinkommen) und über 50-jährigen Wählern ausbauen. Obama findet seine Klientel vor allem bei den Schwarzen, den Frauen, den unter 30-Jährigen sowie den gut Ausgebildeten.
Der amerikanische Geostratege Robert Kagan hat vor einigen Jahren diesen bemerkenswerten Satz formuliert: "Amerikaner kommen vom Mars und Europäer von der Venus." Damit wollte er, der neokonservative und derzeitige Politikberater von McCain, das mit Beginn des Irakkriegs äußerst angespannte transatlantische Verhältnis charakterisieren - die eine Seite ist nüchtern und kriegerisch, die andere schwärmerisch und feige. Nehmen wir die aktuelle Umfrage zum Präsidentschaftswahlkampf, stellt sich die Situation etwas anders dar: McCains uramerikanische Anhänger bestehen aus älteren, weißen und ungebildeten Männern, Obamas quasi-europäische Wähler dagegen sind weiblich, vor allem aber jung und smart...
Wollen die Demokraten gewinnen, müssen sie sich von ihrem europäischen Touch befreien. Eine undankbare Aufgabe, denn sie müssen sich auf das Terrain von McCain begeben, ohne ihr Versprechen vom großen Politikwechsel aufzugeben. Obama gibt also sein Bestes und lässt die Muskeln spielen. So macht er sich für die Ausweitung unseres Engagements in Afghanistan stark, fordert mehr Präsenz in Pakistan. Er will sogar ein "Restkontingent" unserer Truppen im Irak belassen - was alles mögliche bedeuten kann, man denke nur an unsere "Berater" in Vietnam. Und gegenüber Iran fordert er zwar mehr diplomatische Anstrengungen, möchte aber auf die "nukleare Option" nicht verzichten.
Kurzum, für Obama stellt McCain eine Herausforderung dar, die er zuvor schon mit Hillary Clinton zu gewärtigen hatte. Denn von den älteren Frauen einmal abgesehen, unterstützten sie die selben Wählergruppen wie jetzt McCain: Hillary ist einfach die bessere Amerikanerin.
Übersetzung: Christian Schlüter
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