Nach einer Reise in die schöne Schweiz, in der es mir irgendwie nicht möglich war, all mein Geld auszugeben, hatte ich bei meiner Rückkehr nach New York immer noch eine hübsche Summe Franken im Portemonnaie. Also ging ich zu einer Bank, um sie gegen Dollar einzutauschen. Es war eine sehr große Bank, eine mit Filialen in der ganzen Welt.
Doch selbst die ganz großen und schicken Banken verfügen nicht über ausreichend Angestellte. Also stellt man sich in die lange Wartereihe vor dem Schalter und wartet ewig.
Ich weiß nicht warum, aber die unendlich vielen Effizienz-Studien, die unsere Manager seit Beginn der Industrialisierung beschäftigen, haben es nicht wahrscheinlicher werden lassen, dass sie sich endlich einmal auch um die Warterei der Kundschaft in endlos langen Reihen kümmern.
Sei es drum Schließlich kam ich dann doch noch an die Reihe und gab einer Bankangestellten meine Schweizer Franken. Nun musste ich wieder warten, denn sie fing an, irgendwelche Dinge in ihren Computer zu tippen. Es dauerte ewig. Sie hörte gar nicht mehr auf zu tippen. Dabei hatte es mich am heimischen Laptop kaum mehr als neun Sekunden gekostet, den Wechselkurs zu ermitteln. Doch vielleicht war die Dame mit etwas anderem beschäftigt und schaute mal kurz bei ihrem Twitter-Account vorbei oder bestellte sich online ein neues Kleid.
Nach einer atemberaubend langen Zeit, in der ein ganzer Konjunkturzyklus seinen Platz gefunden hätte, erklärte mir die Frau, dass ich für 50 Franken genau fünf Dollar bekommen würde. Weil aber nach meinem bescheidenen Kenntnisstand der Kurs zwischen US-Dollar und Schweizer Franken in etwa 1:1 beträgt und ich mit meinen bescheidenen Mathematikkenntnissen zu dem Ergebnis kam, dass hier etwas nicht stimmen konnte, fragte ich nach: Ob sie sich wohl verrechnet habe? Die Bankangestellte aber wedelte mit den Geldscheinen und rief: "Die kommen doch aus Frankreich, oder?"
Frankreich? Franken, Frankreich. Ich brachte es nicht übers Herz, ihr zu sagen, dass mein Geld aus der Schweiz war. Auch wollte ich ihr nicht sagen, dass Frankreich seit geraumer Zeit den Euro zur Währung hat.
Es hat bereits so viele gelehrte Artikel über unsere gegenwärtige Finanz- und Bankenkrise gegeben, zumal über deren Ursachen. Aber hat man schon irgendwo lesen können, dass hier eigentlich nur Inkompetenz im Spiel war?
Übersetzung: Christian Schlüter
Kritiken und Nachrichten: Theater, Musik, Literatur, Film und Fernsehen