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Marcia Pally schreibt: Iran und die Tyrannei

Warum tyrannisiert der US-amerikanische Staat seine Bevölkerung nicht so sehr, wie der Iran die seine? Weil, so die National Rifle Association, das Tragen von Schusswaffen dies verhindert.

Marcia Pally lebt in New York. Sie ist Literaturwissenschaftlerin an der New York University.
Marcia Pally lebt in New York. Sie ist Literaturwissenschaftlerin an der New York University.
Foto: fr

Die Freunde und Liebhaber von Waffen haben auch in den Vereinigten Staaten nicht gerade den besten Ruf. Aber nur weil jetzt einer gleich drei Polizisten in Pittsburgh erschossen hat, ein anderer im Holocaust-Museum das Feuer eröffnete und ein dritter schließlich einen Arzt erschoss, der auch Abtreibungen vornahm - nur deswegen sollten wir jetzt nicht gleich denken, dass unsere Waffenliebhaber politisch dem rechten Flügel zuzuordnen sind. Schaut man etwas genauer hin, muss man vielmehr feststellen, dass sie eher den Demonstrierenden im Iran gleichen: Sie verteidigen sich nur gegen staatliche Schikanen. Besser also, nett zu ihnen zu sein.

In einem Artikel des Harvard Law Journal hat ein Anwalt der National Rifle Association (NRA) dargelegt, dass die allgemeine Erlaubnis zum Tragen von Waffen erheblich dazu beiträgt, "die Bürger vor der Tyrannei ihrer eigenen Regierung zu schützen". Die ganze Welt nimmt Anteil an den Ereignissen im Iran und empfindet dabei große Sympathien für den Kampf gegen die Tyrannei - warum sollte es in den USA anders sein? Dazu wiederum die NRA: "Unsere Gründungsväter haben noch gewusst, dass nur, wer im Besitz von Waffen ist, auch die Politik bestimmt." Gewiss, 1776 hatten unsere Revolutionäre Waffen und schlugen sich erfolgreich; 2009 haben die iranischen Revolutionäre keine Waffen und verlieren ihren Kampf. Wir sehen also, unsere Waffenliebhaber gehören eindeutig zu den Guten. Seien wir also nett zu ihnen.

Nun haben sie allerdings irgendwie mitbekommen, dass Präsident Obama ihnen die Waffen wegnehmen möchte (was so nicht wirklich stimmt… aber egal). Wir dürfen uns also nicht wundern, wenn sich unsere Waffenfreunde jetzt vor Obama schützen wollen. Es muss sie ja auch beunruhigen, dass ein geschätzter Politiker und ehemaliger Sicherheitsberater Ronald Reagans solche Dinge sagt wie: Obama "könnte möglicherweise immer noch" ein Muslim mit guten Verbindungen zur fundamentalistischen Muslimbruderschaft sein. Seien wir also nicht überrascht, dass in Pittsburgh drei Polizisten erschossen wurden - schließlich hätten die unseren Waffenliebhaber entwaffnen können. Wenig überraschend auch, dass unser Museumsschütze diese Botschaft hinterließ: "Ihr wollt meine Waffen - dann bekommt ihr sie auf diese Weise."

Moderne Iraner fürchten muslimische Fundamentalisten. Genau so tun es unsere Waffenfreaks. Seien wir also nett zu ihnen… Alles in allem sind sie es, die die Waffen haben.

Übersetzung: Christian Schlüter

Datum:  26 | 6 | 2009
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