Haben wir eigentlich schon über Puppen gesprochen? Vielleicht denken Sie, Puppen seien unwichtig. Das ist sexistisch! Lassen Sie mich also über Puppen sprechen.
Letzte Woche präsentierte die Firma, die die berühmten Beanie Babies herstellt (Ty Inc.), zwei neue Puppen: Sie heißen Sweet Sasha und Marvelous Malia und haben selbstverständlich nichts mit den so niedlichen wie wunderbaren Töchtern von Barack Obama zu tun. Das jedenfalls versicherte uns Ty Inc. Zufälligerweise wurden sie allerdings genau an jenem Tag der Öffentlichkeit vorgestellt, an dem Obama in sein Amt eingeführt wurde. Außerdem haben sie eine braune Hautfarbe, dunkles Haar und tragen genau solche Kleidchen wie - na, raten Sie mal, wer?
Alle drei Sekunden wird eine Barbie-Puppe verkauft. Bald werden wir wissen, wie viele es von Sasha und Malia sein werden. Aber das soll uns vorerst nicht interessieren. Ich möchte vielmehr über die Puppen als solche sprechen.
Im Jahre 1954 erklärte der Oberste Gerichtshof die Rassentrennung für verfassungswidrig. Dabei spielte ein Gutachten des Psychologen Kenneth Clark eine wichtige Rolle. Und er sprach von Puppen: Wenn schwarze Kinder, Mädchen wie Jungen, vor der Wahl stünden, mit weißen oder mit braunen Puppen zu spielen, würden sie stets die weißen Puppen wählen. Und auf die Frage des Psychologen, welche der Puppen die "schönere" sei, zeigten die Kinder immer auf die weißen.
Und raten Sie außerdem mal, welche der Puppen den Kindern als die "böse" galt Kenneth Clark schlussfolgerte in seinem Gutachten, dass die Rassentrennung die Identität der schwarzen Kinder beschädigt: Sie erzeuge, schrieb er, "ein tiefsitzendes Gefühl der Minderwertigkeit, eine Verwirrung in der Selbstwahrnehmung, eine Feindseligkeit gegenüber sich selbst, aber auch gegenüber den Weißen". In diesem Jahr aber werden die Kinder dieser Welt die braunen Puppen bevorzugen.
Vergessen Sie also, was ihr Vater demnächst so alles anstellen wird, Sasha und Malia sind es, die den Wandel im Zeitgeist verkörpern.
Übersetzung: Christian Schlüter
Von Marcia Pally ist erschienen: "Die hintergründige Religion. Der Einfluss des Evangelikalismus auf Gewissensfreiheit, Pluralismus und US-amerikanische Außenpolitik" (Berlin Univ. Press).
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