Ich habe "Avatar" gesehen, den neuen Film von James "Titanic" Cameron, und zwar auf einer Reise nach Berlin. Es ist der perfekte Film - um ihn zu hassen.
Sollten Sie ein Konservativer sein, dann werden Sie hassen, dass die bösen Buben mal wieder die vom Militär sind - diesbezüglich lässt Cameron kein Klischee aus, das wir vom US-amerikanischen Film bereits kennen. Ach ja, und dann der Rassismus
Okay, der Reihe nach. Zu Beginn fallen (zumeist) weiße Amerikaner in die Wildnis ein. Dort leben wunderschöne muskulöse, etwas naive Ureinwohner in wundersamer Einheit mit der Natur. Sie reiten eigentümliche Flugpferde, die sehr schnell sind und jedem Hengst im Wilden Westen den Rang ablaufen würden.
Einige der Weißen freunden sich mit den Wilden an; das freut wiederum einige Wissenschaftler, die nur zu gerne deren Kultur erforschen würden - oder missionieren, was ja mitunter dasselbe ist.
Unser Cowboy-Held, ein ehemaliger Marine, ist so beeindruckt von den edlen Wilden, dass er beschließt, sein Leben zu ändern, und so legt er seinen militaristischen Machismo ab (schließlich können sich echte Amerikaner immer neu erfinden).
In der Tat, der gute weiße Ex-Marine, der eigentlich ein Cowboy ist, den es auf einen anderen Planeten verschlagen hat, avanciert zum besten Ureinwohner. Klar, dass er auch die Prinzessin bekommt - denken wir nur an "Pocahontas". Außerdem rettet er die guten Wilden vor den bösen Weißen - denken wir nur an die Schmonzette "Der mit dem Wolf tanzt" -, weil die Wilden natürlich zu blöd sind, sich selber zu helfen. Und hey, ganz gleich wie, unsere Helden müssen immer Weiße sein.
Zum Schluss kommt es selbstverständlich so, wie es kommen muss: Der zum guten und edlen Weißen mutierte Öko-Cowboy und der böse gebliebene Militär-Arsch-Cowboy machen die Sache unter sich aus, Mann gegen Mann. Ein Duell der Giganten, es geht um alles oder nichts - logo, kennen wir aus "High Noon". Na ja, und raten Sie mal, wer am Schluss gewinnt
So weit. In den ersten drei Wochen hat "Avatar" mehr Geld eingespielt als jeder Film zuvor, "Titanic" eingeschlossen. Gewiss, wenn es unserer Filmwirtschaft gut geht, freuen wir uns alle. Doch wenn man als Amerikanerin in der großen weiten Welt unterwegs ist und dann einen solchen Film sieht, dann ist das schon irgendwie beschämend.
Übersetzung: Christian Schlüter
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