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Marcia Pally schreibt: Wir haben es nicht leicht

Es ist schon gemein Präsident zu sein, weil man den Mist vom Vorgänger abekommt. Obama muss jetzt mit Afghanistan klar kommen. Und sieht sich dabei mit kindischen Erwartungen konfrontiert. Von Marcia Pally

Marcia Pally lebt in New York. Sie ist Literaturwissenschaftlerin an der New York University.
Marcia Pally lebt in New York. Sie ist Literaturwissenschaftlerin an der New York University.
Foto: R.S.

Es ist schon ganz schön gemein, Präsident zu sein, denn man bekommt mit dem ganzen Mist zu tun, den einem die Vorgänger hinterlassen haben. Barack Obama zum Beispiel muss jetzt irgendwie mit Afghanistan klar kommen, ein Problem, das George W. Bush zu verantworten, das aber seinen Ursprung in den chaotischen 90er Jahren hat, als Bushs Vater nicht rechtzeitig und etwas zu gleichgültig auf den Truppenabzug der Sowjets in Afghanistan reagierte, wobei die Sowjets dort einmarschiert sind, weil sie von Zbigniew Brzeziski in den düsteren Zeiten des Kalten Krieges dorthin gelockt wurden, ein Krieg, der nur entstehen konnte, weil Harry S. Truman unfähig war einzusehen, dass sein Misstrauen gegenüber den Sowjets diese erst zur Supermacht aufplustern musste

Man merkt sofort, dass man so nicht vorankommt. Wir brauchen ein neues System: Wer Präsident wird, darf mit einer tabula rasa beginnen. Deswegen arbeite ich gerade an einer Zeitmaschine, die in der Lage sein soll, Geschichte ungeschehen zu machen.

Doch Obama hat noch ein anderes Problem: Er sieht sich mit kindischen, unreifen Erwartungen konfrontiert - er soll alle Problem lösen, und zwar allein, ohne die Unterstützung all jener Freunde, die es ohnehin vorziehen, ihn aus ihrer Komfortzone heraus zu kritisieren, behütet und beschützt von den Vereinigten Staaten von Amerika. Im Nachrichtenmagazin Der Spiegel wurde Obama vorgehalten, seine Afghanistan-Politik sei paradox - allerdings ohne zu berücksichtigen, dass man von uns Amerikanern erwartet, den Terrorismus zu zerstören, aber bloß keinen Krieg zu führen und auch die afghanischen Traditionen zu bewahren.

Offenbar ist man nicht gewillt, Obamas ausbalancierte Strategie zur Kenntnis zu nehmen: Sollten die USA ihre Truppen nicht verstärken, wird der Terrorismus weiter erstarken; aber keinen Zeitpunkt für den Truppenabzug zu benennen, wird in politischer wie militärischer Hinsicht alle Beteiligten viel zu viel kosten. Der Plan lautet also, eineinhalb Jahre die Terroristen mit aller Kraft zu bekämpfen und zugleich zivile Strukturen auf- und auszubauen, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern und moderate Taliban in den politischen Prozess einzubeziehen.

Vielleicht sollte Der Spiegel einmal versuchen, die deutsche Zurückhaltung zu begründen, anstatt uns etwas vorzuwerfen,? Und wenn man bessere Vorschläge haben sollte, dann wäre Obama gewiss der Letzte, der sie sich nicht anhören würde.

Übersetzung: Christian Schlüter

Datum:  4 | 12 | 2009
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