Ich liebe Marlene Connolly, 73 Jahre alt, aus North Andover, Massachusetts. Ich habe sie nie persönlich kennengelernt, aber sie erklärte, was die Experten nicht zu erklären vermochten: Warum diese Woche ein Republikaner den Senatssitz für Massachusetts gewonnen hat, der ein halbes Jahrhundert lang von einem Demokraten gehalten wurde - nicht irgendein Demokrat, sondern die progressive Ikone Ted Kennedy, der kürzlich verstorben ist. Und nicht irgendein Senatssitz, sondern derjenige, der den Demokraten die Mehrheit von 60 Sitzen gab, die sie brauchten, um einen Filibuster (Dauerreden) der Republikaner zu verhindern. Und nicht irgendeinen Filibuster, sondern den gegen Barack Obamas Gesundheitsreform.
Massachusetts könnte die amerikanische Gesundheitsreform töten. So schrien die Experten. Aber Marlene weiß, dass das Gesundheitssystem an sich nicht das Problem war.
Massachusetts habe republikanisch gewählt, um "die Geschenke zu stoppen" und die "Jobs in Fahrt zu bringen", sagte Marlene. "Geschenke" sind nämlich eine große Sünde - Menschen etwas zu geben, das sie nicht verdient haben. Sie beschädigen unsere geheiligte "Eigenständigkeit": faire Chancen, aber nur ja keine zusätzliche Hilfe. Und eine besonders große Sünde ist es, wenn die Regierung Geschenke verteilt, denn die Regierung ist der Satan, der Deine Chancen und Rechte zerstört.
Also ist jede Regierung verdächtig, die sich nicht verkleinert. Obamas Rettungspaket wird als "Geschenk" für reiche Unternehmen gesehen: schlecht. Und obwohl die Republikaner den Unternehmen mehr Geld gegeben hätten, hätten sie ihnen weniger Vorschriften gemacht - und das bedeutet "weniger Regierung". Gut. Was Obama getan hat, heißt "Sozialismus".
Obamas Gesundheitsreform beinhaltet eine staatliche Versicherungsvariante: schlecht. Sie ermöglicht Gesundheitsversorgung, selbst wenn Menschen sie sich nicht verdient haben, und vergrößert den Staat. Das ist "Sozialismus".
Scott Brown, der Gewinner in Massachusetts, machte als "Joe der Klempner" mit einem Kleintransporter Wahlkampf. Er setzt sich für Steuersenkungen ein, also "weniger Regierung". Gut.
Ich war es satt, die Expertenmeinungen zu lesen. Danke, Marlene, dass Sie es so prägnant formuliert haben.
Übersetzung: Sylvia Staude
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