In den vergangenen Wochen vor der Wahl haben wir uns in Amerika gefragt, ob die ethnische Herkunft der Präsidentschaftskandidaten nicht doch eine Rolle gespielt hat. Nun, es scheint absolut nicht der Fall zu sein
Wenn die "Rasse" ein Faktor gewesen wäre, dann wäre es zum Beispiel von Bedeutung gewesen, ob Sarah Palins unverheiratete und minderjährige Tochter schwanger ist oder ob Barack Obamas Tochter dergleichen widerfahren wäre. Aber es gibt hier keinen Unterschied:
Eine Schwangerschaft seiner Tochter hätte Obama nicht wirklich geschadet - es wäre hier weder von sozialer oder gar sexueller Verwahrlosung die Rede gewesen. Und auch wenn ihr schwarzer Freund auf seiner Website Worte wie "fuckin' ass" veröffentlicht, so würde man ihm unterstellen, dass er ein netter Kerl sein muss, ein All-American-Boy eben, so wie der Freund von Bristol Palin auch einer ist.
Wenn "Rasse" ein Faktor gewesen wäre, dann hätte Obama nur falsch wiedergeben müssen, was unsere Gründungsväter im 18. Jahrhundert als Fahneneid und Treueschwur formulierten, nämlich dass wir eine "unter Gott" versammelte Nation sind Ein Sturm der Entrüstung wäre losgebrochen. Tatsächlich aber hätten wir Amerikaner es ihm nachgesehen, genauso wie wir freundlich blieben, als Palin erklärte, der Schwur sei 1892 geschrieben und die Formel "unter Gott" erst 1952 hinzugefügt worden.
Wenn "Rasse" ein Faktor gewesen wäre, dann hätten sich die Amerikaner darüber aufgeregt, dass Obamas früherer Pastor, Reverend Jeremiah Wright, sich darüber ausließ, dass der unserer Nation weltweit entgegenschlagende Anti-Amerikanismus etwas mit unserer Außenpolitik zu tun habe.
Stattdessen haben wir den Geistlichen gut verstanden, ebenso wie wir auch voller Verständnis waren, als Palins geistlicher Beistand erklärte, dass alle diejenigen, die John Kerry wählen oder die Politik von George W. Bush kritisieren, in die Hölle fahren. Oder als er erklärte, dass die Vereinten Staaten eine christliche Nation seien, die sich an den Grundsätzen der Bibel orientierte. Oder als er erklärte, der Krieg im Nahen Osten sei die Strafe Gottes an den Juden, weil diese Jesus Christus auf dem Gewissen hätten.
Wenn "Rasse" ein Faktor gewesen wäre, dann hätte Obama nicht sagen können, er wäre ein bewaffneter Waffenliebhaber, so wie es Palin getan hat. Wir weißen Amerikaner hätten dann nämlich vor ihm richtig Angst bekommen.
Übersetzung: Christian Schlüter
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