kalaydo.de Anzeigen

Marcia Pally schreibt: Wir sind nicht rassistisch

Eine Schwangerschaft seiner Tochter hätte Obama nicht wirklich geschadet - es wäre hier weder von sozialer oder gar sexueller Verwahrlosung die Rede gewesen.

Marcia Pally lebt in New York. Sie ist Literaturwissenschaftlerin an der New York University.
Marcia Pally lebt in New York. Sie ist Literaturwissenschaftlerin an der New York University.
Foto: fr

In den vergangenen Wochen vor der Wahl haben wir uns in Amerika gefragt, ob die ethnische Herkunft der Präsidentschaftskandidaten nicht doch eine Rolle gespielt hat. Nun, es scheint absolut nicht der Fall zu sein…

Wenn die "Rasse" ein Faktor gewesen wäre, dann wäre es zum Beispiel von Bedeutung gewesen, ob Sarah Palins unverheiratete und minderjährige Tochter schwanger ist oder ob Barack Obamas Tochter dergleichen widerfahren wäre. Aber es gibt hier keinen Unterschied:

Eine Schwangerschaft seiner Tochter hätte Obama nicht wirklich geschadet - es wäre hier weder von sozialer oder gar sexueller Verwahrlosung die Rede gewesen. Und auch wenn ihr schwarzer Freund auf seiner Website Worte wie "fuckin' ass" veröffentlicht, so würde man ihm unterstellen, dass er ein netter Kerl sein muss, ein All-American-Boy eben, so wie der Freund von Bristol Palin auch einer ist.

Wenn "Rasse" ein Faktor gewesen wäre, dann hätte Obama nur falsch wiedergeben müssen, was unsere Gründungsväter im 18. Jahrhundert als Fahneneid und Treueschwur formulierten, nämlich dass wir eine "unter Gott" versammelte Nation sind… Ein Sturm der Entrüstung wäre losgebrochen. Tatsächlich aber hätten wir Amerikaner es ihm nachgesehen, genauso wie wir freundlich blieben, als Palin erklärte, der Schwur sei 1892 geschrieben und die Formel "unter Gott" erst 1952 hinzugefügt worden.

Wenn "Rasse" ein Faktor gewesen wäre, dann hätten sich die Amerikaner darüber aufgeregt, dass Obamas früherer Pastor, Reverend Jeremiah Wright, sich darüber ausließ, dass der unserer Nation weltweit entgegenschlagende Anti-Amerikanismus etwas mit unserer Außenpolitik zu tun habe.

Stattdessen haben wir den Geistlichen gut verstanden, ebenso wie wir auch voller Verständnis waren, als Palins geistlicher Beistand erklärte, dass alle diejenigen, die John Kerry wählen oder die Politik von George W. Bush kritisieren, in die Hölle fahren. Oder als er erklärte, dass die Vereinten Staaten eine christliche Nation seien, die sich an den Grundsätzen der Bibel orientierte. Oder als er erklärte, der Krieg im Nahen Osten sei die Strafe Gottes an den Juden, weil diese Jesus Christus auf dem Gewissen hätten.

Wenn "Rasse" ein Faktor gewesen wäre, dann hätte Obama nicht sagen können, er wäre ein bewaffneter Waffenliebhaber, so wie es Palin getan hat. Wir weißen Amerikaner hätten dann nämlich vor ihm richtig Angst bekommen.

Übersetzung: Christian Schlüter

Datum:  25 | 10 | 2008
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Theatertreffen 2012
Der Ausnahmefall: „Borkman“ an der Volksbühne.

Alles rund ums bedeutendste deutsche Theaterfestival, das Theatertreffen vom 4.-21. Mai 2012 in Berlin.

Anzeige

Film

Die Filmwoche: Was läuft wann in welchem Kino? Alle Neustarts, alle Filme, alle Kinos, alle Zeiten.

Medien
Das Fünf-Sterne-Hotel
Polen und Ukraine im TV 
Reinhard Mirmseker mit Manuela Wolf in der „Wernesgrüner Musikantenschenke“.
Korruption 
Twitter wird für den Erfolg von Kinofilmen immer wichtiger.
Soziale Netzwerke entscheiden über Kino-Erfolge 
Wie beliebt wir in den sozialen Netzwerken sind, hat immer mehr Auswirkungen auf das
Facebook, Twitter und Co. 
Theatertreffen

Video

Ressort

Kritiken und Nachrichten: Theater, Musik, Literatur, Film und Fernsehen


Oper
Ganz so schick wie bei den prominenten Vertretern unserer Spezies muss es dann doch nicht immer sein.

Hustenanfälle, Papierknistern, Opernglas ja oder nein - ein kleiner Ratgeber für den gelungenen Opernbesuch.

Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!

Meistgeklickt
Das DFB-Bundesgericht mit dem Vorsitzenden Goetz Eilers hat entschieden: Das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wird nicht wiederholt.
Kein Wiederholungsspiel zwischen Düsseldorf und Berlin 
Diese Schilddrüse ist eindeutig krank.
Skandal am Klinikum Hildesheim 
 Mely Kiyak
Kolumne zum neuen Umweltminister 
        

Petra Roth spricht über das Buch, das Matthias Arning (rechts) geschrieben hat.
Petra Roth 
 
 
 
 
 
 
 
 
World Press Photo
Das beste Pressefoto 2012: Eine jemenitische Frau hält einen verwundeten Verwandten in ihren Armen.

Beeindruckende Aufnahmen: FR-online.de präsentiert interaktiv die Pressefotos des Jahres.

Anzeige

FR-Serie

Erleben wir tatsächlich Umbrüche oder dramatisieren wir nur? Auf diese Frage suchen Wissenschaftler und Intellektuelle Antworten.

ANZEIGE
- Informationen finden, um die Main Metropole Frankfurt entdecken und erleben zu können.
- Fragen & Antworten
- Bei HOH finden Sie Hardware, Computer und aktuelle Software zu günstigen Preisen.
- Kauftipps!
Quiz
Dezember 2006.

Thomas Gottschalk hat sich bei "Wetten, dass..." verabschiedet. Er bewegt die TV-Nation. Testen Sie Ihr Wissen.