Sechs Jahre alt sollte man aber sein, so das Theaterhaus Frankfurt, wo die Truppe Follow the Rabbit „Max und Moritz – Das Musical“ zeigt. Follow the Rabbit ist eine Neugründung von Nadja und Martin Brachvogel, die im Begriff sind, von Graz nach Frankfurt zu ziehen.
Er hat Regie geführt, sie steht neben Thomas Prazak und dem Musiker Christian Bakanic auf der Bühne. In der lächerlichsten Supermann-Bekleidung aller Zeiten (das verdanken sie Bernhard Bauer). Man merkt, dass sie gerne die Männer in Schwarz wären. Ihre flauschig wirkenden Supermann-Anzüge sind aber blau und grün. Denn sie ist Max, er ist Moritz.
Schöpfer: Wilhelm Busch
Aufgetaucht: 1865 als Bilder- und Gedichtbuch (Verlag Braun und Schneider, München).
Alter: ca. 12 Jahre
Lausbubenfaktor: hoch. Die beiden lassen nichts aus und schrecken auch vor brutalsten Taten nicht zurück. Heutzutage würden sie vermutlich U-Bahnfahrer zusammenschlagen.
Ende: krass; zu Gänsefutter zermahlen
Unter dem glücklicherweise nicht besonders lehrreichen Oberthema „das Böse“ – hui, wie böse sie das sagen und wie gerne sie böse sind – zeigen sie die vertrauten so genannten Lausbubenstreiche. Ein modernes Kindertheater kommt nicht umhin, Tierquälerei, Diebstahl, Sachbeschädigung oder Körperverletzung (Anschlag auf einen Lehrer!) beim Namen zu nennen. So dass es lustig aussieht, aber keiner für dumm verkauft wird. Selbst die Witwe Bolte, mit der noch kein Witzbold Mitleid hatte, bekommt hier einen kleinen traurigen Schlager über die Einsamkeit.
Witze für die mitgenommenen Erwachsenen
Brachvogel, Prazak und manchmal auch Bakanic brauchen nicht viele Requisiten, aber diese sind effizient, von Hühnerhandpuppen bis zu ewig langen Stoffwursthüllen, die die erforderlichen Farbwechsel beim Bäcker-Streich ermöglichen. Was daran komisch ist, Kinder in den Ofen zu stecken, wird mancher nie verstehen. Auch Brachvogel und Prazak tun nicht so, als ob sie das verstehen würden.
Stattdessen ziehen sie eine zweite Ebene ein, auf der sie sich als Mitglieder eines ausgelaugten Tourneetheaters in die Haare bekommen. Das sind eher Witze für die mitgenommenen Erwachsenen, gute Witze.
Kinder entscheiden über das Ende
Die Kinder wiederum dürfen am Ende entscheiden, wie es für die unglaublich bösen Buben enden soll: In der Mühle (wie bei Wilhelm Busch), im Gefängnis oder im Wiedergutmachungsprogramm. Dass ein Herr nach der Zermahlungsmaschine rief, nützte nichts. Dieses eine Mal durften Erwachsene schlicht nicht mitstimmen, und die Wahlberechtigten entschieden sich für die solide Kasperle-Theater-Lösung. Auch Kinder sind keine Toppädagogen.
Theaterhaus Frankfurt: bis 25. Januar, dann wieder im März. www.theaterhaus-frankfurt.de
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